Erkältung und Husten: Was Hausmittel leisten — und was belegt ist

Wie lange eine Erkältung dauert

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) beschreibt den Verlauf so: „Meist ist das Schlimmste innerhalb einer Woche überstanden. Bis die Symptome ganz verschwunden sind, kann es aber etwas länger dauern.“

Und speziell zum Husten: „Bis er komplett ausgestanden ist, dauert es bei Erwachsenen im Schnitt 18 Tage.“ Bei Kindern kann Husten „mitunter drei Wochen lang anhalten“.

Das ist die vielleicht nützlichste Zahl dieses Beitrags: Ein Husten, der zwei Wochen nach der Erkältung noch da ist, ist nicht ungewöhnlich.

Was Großmutters Hausmittel wirklich leisten

Hier ist die Quellenlage ernüchternder, als es ihr Ruf vermuten lässt.

Inhalieren. Das IQWiG: „Wasserdampf mit oder ohne Zusätze wie Kamille oder Pfefferminzöl einzuatmen, empfinden viele Menschen als angenehm, da Wärme und Feuchtigkeit kurzfristig die Nasenschleimhäute beruhigen können. Das Inhalieren hat aber keine eindeutige Wirkung auf Erkältungssymptome.“

Angenehm ist also nicht dasselbe wie wirksam. Deshalb steht in diesem Beitrag auch keine Anleitung mehr dazu — der Nutzen ist unklar, die Verbrühungsgefahr über einer Schüssel mit kochendem Wasser dagegen real, besonders wenn Kinder mit am Tisch sitzen.

Viel trinken. „Es ist aber wissenschaftlich nicht belegt, dass es hilft, viel zu trinken. Es gibt also keinen Grund, sich bei einer Erkältung zu zwingen, mehr zu trinken, als man möchte.“

Honig. Das einzige Hausmittel, für das die Quelle einen möglichen Nutzen nennt — und zwar mit einer Altersgrenze: „Möglicherweise verschafft Honig Kindern über einem Jahr mit Husten etwas Linderung, wenn sie abends vor dem Schlafengehen (und Zähneputzen) etwas Honig pur oder in Wasser aufgelöst zu sich nehmen.“

Die Altersgrenze ist kein Detail. Für Säuglinge unter einem Jahr ist Honig nicht vorgesehen.

Was aus der Apotheke helfen kann

Das IQWiG nennt Mittel, die Beschwerden lindern können, ohne die Erkältung zu verkürzen: „fiebersenkende Mittel und Schmerzmittel wie Ibuprofen, Paracetamol oder Acetylsalicylsäure“ sowie „abschwellende Nasensprays zum kurzfristigen Einsatz“.

Gegen den Husten kann man laut derselben Quelle „Honig oder pflanzliche Mittel beispielsweise mit Extrakten aus Pelargonienwurzel, Primelwurzel, Thymian, Eukalyptus oder Efeublättern ausprobieren“ — „ausprobieren“ ist dabei das genaue Wort.

Und ein Satz, der jedes Jahr aufs Neue wichtig ist: „Antibiotika wirken nicht gegen Viren und sollten nur eingesetzt werden, wenn zusätzlich Bakterien im Spiel sind.“

Das Bundesministerium für Gesundheit sagt dasselbe in einem Satz: „Erkältungen werden in der Regel durch Viren ausgelöst. Dann sind Antibiotika nutzlos.“ Es nennt dieselben Mittel gegen die Beschwerden — fiebersenkende und schmerzlindernde Wirkstoffe sowie abschwellende Nasensprays „zur kurzfristigen Verwendung“ — und ergänzt, Antibiotika sollten auch wegen möglicher Nebenwirkungen nur eingenommen werden, wenn bakterielle Erreger zu Komplikationen führen.

Wann ärztlicher Rat nötig ist

Das IQWiG nennt die Grenzen deutlich:

„Bei hohem Fieber, starken oder sich verstärkenden Symptomen, Schmerzen in der Brust, Luftnot oder Problemen beim Atmen ist es sinnvoll, ärztlichen Rat einzuholen.“

Das Bundesministerium für Gesundheit nennt dieselben Grenzen und hebt Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen wie einer COPD eigens hervor.

Bei Kindern kommt hinzu: Kleine Kinder können einen Pseudokrupp entwickeln, bei Babys kann eine Erkältung zu einer Mittelohrentzündung führen. Beides gehört in ärztliche Beurteilung.

Und ein Punkt, der bei Kindern eigens zählt. Einreibemittel, Badezusätze und Inhalationsmittel mit ätherischen Ölen sind verbreitet. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit ist dazu eindeutig: „Bei Säuglingen und Kindern unter drei Jahren sollten Mittel mit ätherischen Ölen gar nicht angewendet werden.“ Grund ist die Gefahr eines Stimmritzenkrampfs mit akuter Atemnot beim Einatmen der Öldämpfe. Tritt das ein, ist es ein Notfall — 112 oder 116117.

Was dieser Beitrag nicht leistet

Er nennt keine Zubereitungsanleitungen und keine Mengen. Für Wirkungsangaben zu Zwiebelsaft, Kräutersud und Wickeln wie „antibakteriell“, „schleimhautheilend“ oder „entzündungshemmend“ fand sich in den geprüften Quellen kein Beleg.

Er behauptet nicht, dass Hausmittel schaden. Er sagt, was belegt ist: Für die meisten fehlt der Nachweis, dass sie den Verlauf beeinflussen. Wer sie als angenehm empfindet, hat damit einen guten Grund — nur eben keinen medizinischen.

Quellen

  • Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de: Erkältung, Stand 31. Oktober 2023 — Dauer und Verlauf, Husten über 18 Tage bei Erwachsenen und bis zu drei Wochen bei Kindern, Schmerz- und Fiebermittel, abschwellende Nasensprays, Antibiotika, Warnzeichen für ärztlichen Rat, Pseudokrupp und Mittelohrentzündung bei Kindern
  • Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de: Schnupfen, Husten und Halsschmerzen lindern, Stand 31. Oktober 2023 — Inhalieren ohne eindeutige Wirkung, fehlender Beleg für vermehrtes Trinken, Honig für Kinder über einem Jahr
  • Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de: Erkältung: Symptome und Behandlung — Viren als Ursache und Nutzlosigkeit von Antibiotika, Schmerz- und Fiebermittel, abschwellende Nasensprays zur kurzfristigen Verwendung, Warnzeichen für ärztlichen Rat, besondere Vorsicht bei chronischen Atemwegserkrankungen
  • Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit, kindergesundheit-info.de: Hausmittel für Kinder — ätherische Öle nicht bei Säuglingen und Kindern unter drei Jahren, Gefahr eines Stimmritzenkrampfs, Notruf 112 oder 116117

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Hinweise zu Aktualisierungen und Korrekturen

Korrektur: Dieser Beitrag wurde am 8. September 2026 inhaltlich korrigiert.