Nabelschnurblut: Spende, private Einlagerung und was offen bleibt

Was Nabelschnurblut ist

Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit beschreibt es so:

„Als Nabelschnurblut wird das kindliche Blut bezeichnet, das sich nach der Abnabelung noch in der Nabelschnur und in der Plazenta befindet.“

Und weiter: „Nabelschnurblut ist reich an Stammzellen, die zur Behandlung von lebensgefährlichen Erkrankungen eingesetzt werden können.“

Eingesetzt werden solche Stammzellen vor allem bei Blutkrebserkrankungen. Der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums nennt drei Quellen, aus denen Blutstammzellen für eine Transplantation gewonnen werden: aus dem Knochenmark, aus dem peripheren Blut und aus Nabelschnurblut. Und er ordnet sie ein: „Einen vergleichsweise geringeren Stellenwert als Quelle für Stammzellen hat das Nabelschnurblut Neugeborener.“

Zwei Wege, die oft verwechselt werden

Die öffentliche Spende. Das Nabelschnurblut geht an eine öffentliche Bank und steht dort — wie eine Blutspende — für Patientinnen und Patienten zur Verfügung, deren Gewebemerkmale passen. Für die Spendenden ist sie kostenfrei.

Die private Eigeneinlagerung. Das Nabelschnurblut wird gegen Gebühr für das eigene Kind eingelagert. Die Kosten für Aufbereitung und Lagerung tragen die Eltern.

Der Unterschied ist nicht nur wirtschaftlich. Er betrifft auch die Frage, wofür das eingelagerte Blut später überhaupt infrage kommt. Der Krebsinformationsdienst benennt die beiden Wege mit ihren Fachbegriffen: „Die Stammzellenübertragung von einem Menschen auf den anderen nennt man ‚allogen‘. Spendet der Patient oder die Patientin für sich selbst, nennt man die Vorgehensweise ‚autolog‘.“ Welcher Weg in Frage kommt, hänge „vor allem von der Art der Erkrankung“ ab, daneben vom Gesundheitszustand und von der Verfügbarkeit eines Spenders.

Für eine private Eigeneinlagerung ist damit von vornherein nur der autologe Weg eröffnet — und das ist eine Folgerung aus den Begriffen, keine Aussage der Quelle: Wer das eigene Material einlagert, kann damit nur sich selbst behandeln lassen.

Vorzüge und Grenzen — was dazu institutionell gesagt wird

Der Krebsinformationsdienst nennt als mögliche Vorteile: Nabelschnur-Blutstammzellen seien „leicht und ohne Risiko für den Spender zu sammeln“; es bestehe ein geringeres Risiko, dass das Blut bereits mit Viren in Kontakt gekommen sei; und weil die enthaltenen Immunzellen noch „unreif“ seien, reagierten sie weniger spezifisch gegen fremde Gewebemerkmale — Nabelschnurbluttransplantate würden deshalb von den meisten Empfängern besser vertragen.

Als mögliche Nachteile nennt dieselbe Quelle: Die Zahl der verfügbaren Stammzellen kann für manche Empfänger zu gering sein — für erwachsene Empfänger seien mitunter zwei Nabelschnurblutpräparate nötig —, und der Wiederaufbau der Blutbildung nach der Transplantation könne länger dauern.

Was hier weiterhin nicht steht: eine Zahl zur Wahrscheinlichkeit, dass das eigene eingelagerte Blut später tatsächlich gebraucht wird. Dafür fand sich in den geprüften institutionellen Quellen — einschließlich der Richtlinie Hämotherapie der Bundesärztekammer — keine belastbare Angabe. Die Werbeaussagen der Anbieter werden in diesem Beitrag nicht wiederholt, weil sie sich hier nicht überprüfen ließen.

Zur Entnahme

Das Blut wird nach der Abnabelung aus der Nabelschnurvene entnommen. Mutter und Kind sind zu diesem Zeitpunkt nicht mehr mit der Plazenta verbunden.

Ein Punkt gehört dazu, der über die Verwendbarkeit mitentscheidet: Die gewonnene Menge ist begrenzt. Wenn die Zahl der Stammzellen für manche Empfänger zu gering sein kann, ist die Menge kein Nebenaspekt der Entnahme, sondern ihr Kern. Die Entnahme steht dabei in einem zeitlichen Zusammenhang mit dem Abnabeln. Wie im Einzelfall verfahren wird, gehört deshalb vor der Geburt mit der geburtshilflichen Betreuung besprochen und nicht im Kreißsaal entschieden.

Was vor der Entscheidung zu klären ist

  • Welche Klinik oder Hebammenpraxis arbeitet mit welcher Bank zusammen?
  • Welche Kosten fallen einmalig an, welche laufend, und über welchen Zeitraum?
  • Was geschieht mit dem eingelagerten Blut, wenn der Anbieter den Betrieb einstellt?
  • Was passiert, wenn die entnommene Menge für eine spätere Verwendung nicht ausreicht?
  • Und: Ist eine öffentliche Spende an der gewählten Klinik möglich?

Was dieser Beitrag nicht leistet

Er nennt keine Anbieter und keine Preise.

Er empfiehlt weder die Spende noch die Einlagerung.

Er versichert keine Risikofreiheit.

Er ersetzt kein Gespräch mit der Hebamme oder der geburtshilflichen Praxis. Dort gehört die Frage hin — rechtzeitig vor dem errechneten Termin.

Quellen

  • Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), familienplanung.de: Nabelschnurblut — Definition, Stammzellgehalt und Verwendung zur Behandlung lebensgefährlicher Erkrankungen
  • Deutsches Krebsforschungszentrum, Krebsinformationsdienst: Stammzelltransplantation bei Krebs — die drei Quellen für Blutstammzellen, vergleichsweise geringerer Stellenwert des Nabelschnurbluts, Begriffe allogen und autolog und wovon die Wahl abhängt, mögliche Vorteile des Nabelschnurbluts (Gewinnung ohne Spenderrisiko, geringeres Virusrisiko, bessere Verträglichkeit) sowie seine Grenzen (unter Umständen zu geringe Zellzahl, zwei Präparate für Erwachsene, längerer Wiederaufbau der Blutbildung)

Zuletzt überarbeitet am

Hinweise zu Aktualisierungen und Korrekturen

Korrektur: Dieser Beitrag wurde am 8. September 2026 inhaltlich korrigiert.

Korrektur: Dieser Beitrag wurde am 12. September 2026 inhaltlich korrigiert.