Vitamin D3 und K2: Was belegt ist — und was nicht

von Redaktion MediclifeVeröffentlicht am Zuletzt überarbeitet am

Kombipräparate aus Vitamin D3 und K2 werden mit einem einfachen Versprechen beworben: D3 holt das Calcium herein, K2 lenkt es in die Knochen statt in die Gefäße. Dieser Beitrag prüft, was davon belegt ist.

Die kurze Antwort

Für die kombinierte Einnahme von Vitamin D und Vitamin K gibt es derzeit keine belastbare Empfehlung. Die Verbraucherzentrale formuliert es so:

„Aktuell kann keine verlässliche Empfehlung zu einer kombinierten Einnahme von Vitamin D und Vitamin K getroffen werden.“

Und zu dem Argument, mit dem diese Präparate meist beworben werden:

„Auch die Hypothese, dass Vitamin K vor einer ‚Gefäßverkalkung‘ unter hohen Vitamin-D-Dosierungen schützt, ist nicht ausreichend belegt.“

Das heißt nicht, dass K2 schädlich wäre. Es heißt, dass der Zusatznutzen, für den bezahlt wird, nicht nachgewiesen ist.

Woher Vitamin D tatsächlich kommt

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) beschreibt die Versorgungslage nüchtern: Die Zufuhr über die Ernährung mit den üblichen Lebensmitteln reicht nicht aus, um die gewünschte Versorgung bei fehlender körpereigener Bildung sicherzustellen.

Den Hauptteil liefert der Aufenthalt im Freien. Die Verbraucherzentrale beziffert es: „Etwa 80–90 % der Vitamin-D-Versorgung erfolgt durch regelmäßige Aufenthalte im Freien.“ Über Lebensmittel kommen nur etwa 10 bis 20 Prozent des Schätzwerts zusammen.

Fetter Fisch, Eigelb und angereicherte Lebensmittel tragen also bei — sie ersetzen das Tageslicht aber nicht.

Der Referenzwert: 20 Mikrogramm pro Tag — und wann er gilt

Die DGE nennt einen Referenzwert, der oft verkürzt zitiert wird. Im Wortlaut lautet er:

„Der Referenzwert für eine angemessene Vitamin-D-Zufuhr gilt nur bei fehlender Eigenproduktion und beträgt 20 Mikrogramm pro Tag.“

Zwei Dinge daran sind wichtig. Erstens die Bedingung: bei fehlender Eigenproduktion — der Wert beschreibt nicht, was jede Person täglich zusätzlich schlucken sollte. Zweitens gilt er laut DGE für Kinder ab einem Jahr, Jugendliche, Erwachsene, Menschen ab 65 sowie Schwangere und Stillende gleichermaßen. Er zielt auf eine 25(OH)D-Serumkonzentration von mindestens 50 nmol/l.

20 Mikrogramm entsprechen 800 Internationalen Einheiten (IE).

Höchstmengen: was in ein Nahrungsergänzungsmittel gehört

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nennt für Nahrungsergänzungsmittel obere Grenzen. Die Verbraucherzentrale gibt sie so wieder:

  • Vitamin D: nicht mehr als 20 µg pro Tagesdosis.
  • Vitamin K2: „Das BfR empfiehlt als Höchstmenge in Nahrungsergänzungsmitteln 25 Mikrogramm Vitamin K2 pro Tag.“

Diese beiden Zahlen sind der praktische Maßstab beim Blick auf ein Etikett. Viele frei verkäufliche Kombipräparate liegen deutlich darüber.

Wichtig bei gerinnungshemmenden Medikamenten

Dieser Punkt fehlt in Werbetexten fast immer. Vitamin K wirkt an der Blutgerinnung mit — die Verbraucherzentrale beschreibt es als Beteiligung an der „Herstellung von Proteinen für die Blutgerinnung“. Daraus folgt:

„Wenn Sie solche gerinnungshemmenden Arzneimittel verschrieben bekommen haben, sollten Sie eine zusätzliche Vitamin-K-Einnahme zuvor mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprechen.“

Wer blutgerinnungshemmende Medikamente einnimmt, sollte ein K2-haltiges Präparat also nicht ohne ärztliche Rücksprache beginnen.

Was über Knochen und Gefäße gesagt werden darf

Die Verbraucherzentrale ist an diesem Punkt eindeutig:

„Nicht wissenschaftlich belegt und auch nicht zulässig sind krankheitsbezogene Aussagen, wonach Vitamin K vor Osteoporose oder Gefäßerkrankungen schützt.“

Dazu passt die Osteoporose-Leitlinie, aus der die Verbraucherzentrale zitiert: „Vitamin K2 soll nicht zur spezifischen Therapie der Osteoporose verwendet werden.“

Aussagen dieser Art auf einer Verpackung oder in einem Ratgeber sind damit kein Beleg, sondern ein Warnzeichen.

Wann eine Ergänzung sinnvoll sein kann

Ein Vitamin-D-Mangel ist ein reales Problem — nur eben nicht bei allen. Die Verbraucherzentrale nennt als Gruppen, die eine Supplementierung ärztlich besprechen sollten: Menschen über 65 Jahren, Menschen mit dunkler Hautfarbe, mit Übergewicht (BMI über 30), mit eingeschränkter Mobilität oder ohne nennenswerte Sonnenlichtexposition.

Und sie nennt die Reihenfolge, die in vielen Ratgebern fehlt: „Zunächst durch eine Blutuntersuchung prüfen lassen, ob bei Ihnen tatsächlich eine unzureichende Versorgung vorliegt.“

Erst messen, dann ergänzen — nicht umgekehrt.

Wenn es zu viel wird

Vitamin D ist fettlöslich und wird gespeichert. Zu hohe Dosen können nach Angabe der Verbraucherzentrale Kopfschmerzen, Übelkeit und Bauchkrämpfe auslösen — bis hin zu Nierenverkalkung und Nierensteinen.

Das ist der Grund, warum die Höchstmenge von 20 µg pro Tagesdosis existiert, und der Grund, warum hochdosierte Präparate in ärztliche Begleitung gehören.

Was dieser Beitrag nicht leistet — und was korrigiert wurde

Die frühere Fassung dieses Beitrags empfahl die Kombination D3 + K2 als „Power-Duo“ und nannte konkrete Dosierungen. Bei der Überarbeitung nach dem redaktionellen Standard hat sich Folgendes gezeigt:

  • Die beiden angeführten Belege existieren nicht. Der Text verlinkte eine angebliche Seite des Bundesinstituts für Risikobewertung — die Adresse führt ins Leere und leitet auf die Startseite. Der zweite Verweis auf die Verbraucherzentrale endete auf „12345″ und liefert einen Fehler 404. Beide Aussagen waren also mit Quellen belegt, die es nicht gibt. Das ist der schwerwiegendste Befund der gesamten Bestandsprüfung.
  • Die Dosierungstabelle ist ersatzlos entfallen. Sie nannte ohne jede Quelle bis zu 2000 IE Vitamin D (das entspricht 50 µg) und bis zu 200 µg Vitamin K2 pro Tag — auch für Kinder, Schwangere und Stillende. Die BfR-Höchstmengen liegen bei 20 µg Vitamin D und 25 µg Vitamin K2. Die Tabelle empfahl damit das Zweieinhalbfache beziehungsweise das Achtfache dessen, was das BfR für Nahrungsergänzungsmittel als obere Grenze nennt.
  • Die Schutzbehauptungen sind entfallen. „Schutz vor Osteoporose und Karies“ und „geringeres Risiko für Gefäßverkalkung“ sind krankheitsbezogene Aussagen, die laut Verbraucherzentrale weder belegt noch zulässig sind.
  • „Studien zeigen“ ohne Studie. Die Formulierung stand dreimal im Text, ohne dass eine einzige Untersuchung benannt wurde.
  • Wochenplan und fünf Rezepte sind entfallen. Sie trugen nichts zur Frage bei, um die es in diesem Beitrag geht.
  • Ergänzt wurde der Hinweis auf gerinnungshemmende Medikamente. Er fehlte in der Altfassung ganz, obwohl der Text zur täglichen Einnahme von Vitamin K2 riet.

Dieser Beitrag nennt keine individuelle Dosierung und keine Produkte. Beides gehört in ein Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt, dem eine Blutuntersuchung vorausgeht.

Quellen

  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Referenzwert Vitamin D — Schätzwert 20 µg pro Tag bei fehlender Eigenproduktion, Geltungsbereich, Zielwert 25(OH)D ≥ 50 nmol/l
  • Verbraucherzentrale: Vitamin D besser mit Vitamin K2? — keine verlässliche Empfehlung zur Kombination, Gefäßverkalkungs-Hypothese nicht ausreichend belegt, Osteoporose-Leitlinie, Höchstmenge 25 µg K2
  • Verbraucherzentrale: Vitamin-D-Produkte – wann sind sie sinnvoll? — 80–90 % über den Aufenthalt im Freien, BfR-Höchstmenge 20 µg pro Tagesdosis, Risikogruppen, Blutuntersuchung zuerst, Überdosierungsfolgen
  • Verbraucherzentrale: Vitamin-K-Produkte – was ist sinnvoll? — Rolle bei der Blutgerinnung, Rücksprache bei gerinnungshemmenden Arzneimitteln, unzulässige krankheitsbezogene Aussagen

Wichtiger Hinweis:
Die Inhalte auf Mediclife.de dienen ausschließlich der allgemeinen Information rund um Gesundheit, Ernährung, Medizin und Wohlbefinden. Sie ersetzen keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Unsere Artikel ersetzen den Besuch bei einer Ärztin, einem Arzt oder einer anderen qualifizierten Fachkraft nicht. Nach welchen Regeln sie entstehen, steht in den redaktionellen Grundsätzen; eine medizinische Fachprüfung findet derzeit nicht statt. Unsere Informationen sollen vielmehr dazu beitragen, das Verständnis für Gesundheitsthemen zu fördern und das Gespräch zwischen Arzt und Patient zu unterstützen. Bitte handeln Sie niemals eigenständig aufgrund der hier gelesenen Inhalte, sondern wenden Sie sich bei gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden immer an medizinisches Fachpersonal.