Vitamin K – Wirkung, Lebensmittel, Mangel & Überdosierung

von Redaktion MediclifeVeröffentlicht am Zuletzt überarbeitet am

Korrekturhinweis vom 10. September 2026. Dieser Beitrag ist neu geschrieben worden. Die frühere Fassung stützte sich auf einen einzigen Beleg und stellte darüber hinaus mehrere Aussagen als Forschungsstand dar, für die keine Quelle genannt war — ein Schutz der Gefäße, ein geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, ein erhöhtes Osteoporoserisiko bei Unterversorgung, eine Wechselwirkung mit Vitamin E und Leberschäden durch Vitamin K3. Diese Aussagen sind entfernt. Die Zufuhrtabelle war zudem unvollständig und als „empfohlene Zufuhr“ bezeichnet, obwohl die DGE für Vitamin K Schätzwerte angibt. Neu aufgenommen sind der Warnhinweis des BfR zu gerinnungshemmenden Medikamenten und die Höchstmengen für Nahrungsergänzungsmittel. Das eingebettete FAQ-Schema wurde entfernt (Prüfpunkt 23).

Vitamin K ist ein fettlösliches Vitamin, das der Körper für die Blutgerinnung und für den Erhalt normaler Knochen benötigt. Für die Bevölkerung in Deutschland ergibt sich aus den Verzehrdaten kein Hinweis auf eine unzureichende Versorgung — die gemessene Zufuhr liegt deutlich über dem Schätzwert. Praktisch bedeutsam ist Vitamin K deshalb an zwei Stellen: bei Neugeborenen, die noch keine Speicher haben, und bei Menschen, die gerinnungshemmende Medikamente vom Cumarin-Typ einnehmen.


Was über die Wirkung tatsächlich belegt ist

Für Vitamin K sind in der Europäischen Union genau zwei gesundheitsbezogene Angaben zugelassen. Sie stehen in der Verordnung (EU) Nr. 432/2012 in ihrer konsolidierten Fassung vom 20. August 2025 und beruhen jeweils auf einer Bewertung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit:

  • „Vitamin K trägt zu einer normalen Blutgerinnung bei.“
  • „Vitamin K trägt zur Erhaltung normaler Knochen bei.“

Das ist der vollständige Bestand. Eine zugelassene Angabe zum Schutz der Gefäße oder zum Herz-Kreislauf-System gibt es nicht. Diese Unterscheidung ist der Grund, warum die frühere Fassung dieses Beitrags an mehreren Stellen gekürzt werden musste.

Der Buchstabe K stammt vom Wort Koagulation — Gerinnung. Er verweist auf die Funktion, die als erste beschrieben wurde und die bis heute die bestbelegte ist.


Vitamin K1 und Vitamin K2

Die bekanntesten Verbindungen sind nach Darstellung der DGE das pflanzliche Vitamin K1 (Phyllochinon) und die Vitamin-K2-Verbindungen (Menachinone), die in tierischen und fermentierten Lebensmitteln vorkommen.

Die Aufnahmeraten der einzelnen Verbindungen unterscheiden sich stark. Die DGE führt das zum Teil auf die Lebensmittelmatrix — vor allem den Fettgehalt — und auf die Länge der Seitenkette zurück. Praktisch heißt das: Eine Mengenangabe auf einer Packung sagt nicht, wie viel davon tatsächlich ankommt.


Wie viel Vitamin K pro Tag?

Die DGE nennt für Vitamin K ausdrücklich Schätzwerte für eine angemessene Zufuhr und keine Empfehlungen — die Datenlage reicht für eine Empfehlung nicht aus. Stand der Ableitung ist das Jahr 2000.

Alter männlich (µg/Tag) weiblich (µg/Tag)
Säuglinge 0 bis unter 4 Monate 4
Säuglinge 4 bis unter 12 Monate 10
1 bis unter 4 Jahre 15
4 bis unter 7 Jahre 20
7 bis unter 10 Jahre 30
10 bis unter 13 Jahre 40
13 bis unter 15 Jahre 50
15 bis unter 51 Jahre 70 60
51 Jahre und älter 80 65
Schwangere und Stillende 60

Wie viel tatsächlich aufgenommen wird

Die Nationale Verzehrsstudie II macht zu Vitamin K keine Angaben. Aus dem Ernährungsmodul des Bundesgesundheitssurveys 1998 hat das Bundesinstitut für Risikobewertung für Erwachsene eine mittlere Aufnahme von 404 µg pro Tag in Ostdeutschland und 431 µg pro Tag in Westdeutschland abgeleitet. Bei Kindern von 6 bis 11 Jahren lagen die Medianwerte zwischen 162 und 191 µg täglich.

Das ist ein Mehrfaches des Schätzwerts. Das BfR hält dazu fest: Aus den Verzehrdaten ergibt sich kein Hinweis auf eine unzureichende Versorgung — weder in der allgemeinen Bevölkerung noch in einzelnen Altersgruppen. Die Schätzungen sind allerdings mit Unsicherheit behaftet, weil die Vitamin-K-Angaben im Bundeslebensmittelschlüssel von geringer Qualität sind.


Woher Vitamin K kommt

Gute Lieferanten sind nach Angabe der DGE vor allem grüne Gemüsearten — Spinat sowie einige Salat- und Kohlsorten —, außerdem Milch und Milchprodukte, Fleisch und Eier.

Weil die Aufnahme fettabhängig ist, gehört zu einer Mahlzeit mit grünem Gemüse eine Fettquelle: etwas Öl im Salat oder über dem gegarten Gemüse.


Neugeborene: warum unmittelbar nach der Geburt Vitamin K gegeben wird

Gestillte Säuglinge haben nach Darstellung der DGE ein Risiko für einen Vitamin-K-Mangel, und zwar aus vier Gründen zugleich:

  • Vitamin K wird nur unzureichend durch die Plazenta transportiert,
  • die Konzentrationen der Gerinnungsfaktoren sind niedrig,
  • der Darm ist bei und nach der Geburt noch steril,
  • Frauenmilch enthält nur wenig Vitamin K.

Zum Schutz vor Blutungsneigungen wird deshalb unmittelbar nach der Geburt prophylaktisch Vitamin K verabreicht. Diese Gabe erfolgt im Rahmen der ärztlichen Vorsorgeuntersuchungen; Fragen zu Form und Zeitpunkt beantworten die betreuende Kinderärztin oder der Kinderarzt.


Gerinnungshemmer: der wichtigste Wechselwirkungsfall

Vitamin-K-Antagonisten vom Cumarin-Typ sind orale Gerinnungshemmer. Sie sind verschreibungspflichtig, werden ärztlich verordnet und ihre Dosis wird ärztlich eingestellt und laufend über Gerinnungswerte überwacht.

Die wesentliche Wechselwirkung ist Vitamin K selbst. Das BfR hält fest, dass die therapeutische Wirkung dieser Arzneimittel durch die Vitamin-K-Aufnahme über die Nahrung abgeschwächt wird — und dass eine solche Abschwächung bereits durch den Verzehr Vitamin-K-reicher Lebensmittel eintreten kann.

Daraus folgt nicht, dass grünes Gemüse zu meiden wäre. Das BfR beschreibt das Gegenteil als das Praktikable: Eine adäquate und in ihrer Schwankungsbreite geringe Vitamin-K-Zufuhr über übliche Lebensmittel erleichtert es, die therapeutisch optimale Dosis einzustellen. Entscheidend ist also die Gleichmäßigkeit, nicht der Verzicht.

Für Nahrungsergänzungsmittel gilt etwas anderes. Personen unter Cumarintherapie sollen Vitamin-K-haltige Präparate nur unter ärztlicher Kontrolle verwenden. Jede Änderung der Zufuhr — auch eine gut gemeinte — gehört vorher in die ärztliche Absprache.


Nahrungsergänzungsmittel: Höchstmengen und ein Warnhinweis

Eine tolerierbare Obergrenze für die tägliche Gesamtaufnahme wurde für Vitamin K wegen unzureichender Daten nicht abgeleitet; die verfügbaren Studien sprechen nach Darstellung des BfR für eine geringe akute und chronische Toxizität von oral zugeführtem Vitamin K.

Trotzdem schlägt das BfR Höchstmengen vor — wegen der Wechselwirkung, nicht wegen einer Vergiftungsgefahr:

Kategorie Höchstmenge
Nahrungsergänzungsmittel, Vitamin K1 (je Tagesverzehrempfehlung) 80,0 µg
Nahrungsergänzungsmittel, Vitamin K2 (je Tagesverzehrempfehlung) 25,0 µg
Sonstige Lebensmittel (je 100 g) kein Zusatz

Zusätzlich empfiehlt das BfR einen Warnhinweis auf solchen Produkten:

„Personen, die gerinnungshemmende Medikamente einnehmen, sollten vor dem Verzehr von Vitamin K-haltigen Nahrungsergänzungsmitteln ärztlichen Rat einholen.“


Was dieser Beitrag nicht mehr behauptet

  • Schutz der Gefäße und geringeres Herz-Kreislauf-Risiko. Die frühere Fassung führte das als „Forschungen legen nahe“ ein. In der EU ist keine entsprechende Angabe zugelassen, und keine der hier verwendeten Quellen trägt sie.
  • Erhöhtes Osteoporoserisiko bei unzureichender Versorgung. Zugelassen ist die Aussage, dass Vitamin K zur Erhaltung normaler Knochen beiträgt. Der Schluss auf ein konkretes Erkrankungsrisiko geht darüber hinaus.
  • Vitamin E beeinträchtige in hohen Mengen die Aktivität von Vitamin K. Ohne Beleg entfernt.
  • Vitamin K3 (Menadion) verursache Leberschäden und Blutbildveränderungen. Die frühere Fassung berief sich auf „Studien“, ohne eine zu nennen. Entfernt.
  • Antibiotika, Antiepileptika und Gallestörungen als Mangelursachen. Die Aufzählung war unbelegt. Belegt ist der Sonderfall der Neugeborenen; im Übrigen gibt es für die Bevölkerung keinen Hinweis auf eine unzureichende Versorgung.

Häufige Fragen

Muss man bei einer Cumarintherapie auf grünes Gemüse verzichten?

Nein. Nach Darstellung des BfR erleichtert eine gleichmäßige, angemessene Vitamin-K-Zufuhr über übliche Lebensmittel sogar die Einstellung der Dosis. Problematisch sind starke Schwankungen — und Nahrungsergänzungsmittel, die nur unter ärztlicher Kontrolle verwendet werden sollen.

Ist ein Vitamin-K-Präparat sinnvoll?

Aus den Verzehrdaten ergibt sich für Deutschland kein Hinweis auf eine unzureichende Versorgung; die gemessene mittlere Aufnahme liegt bei rund 400 µg täglich und damit weit über dem Schätzwert von 60 bis 80 µg. Wer gerinnungshemmende Medikamente einnimmt, soll vor der Einnahme ärztlichen Rat einholen.

Warum bekommen Neugeborene Vitamin K?

Weil vier Umstände zusammentreffen: geringer Transport durch die Plazenta, niedrige Konzentrationen der Gerinnungsfaktoren, ein bei Geburt noch steriler Darm und wenig Vitamin K in der Frauenmilch. Die Gabe direkt nach der Geburt schützt vor Blutungsneigungen.

Was ist der Unterschied zwischen K1 und K2?

K1 (Phyllochinon) stammt aus Pflanzen, K2 (Menachinone) aus tierischen und fermentierten Lebensmitteln. Die Aufnahmeraten unterscheiden sich erheblich, unter anderem nach Fettgehalt der Mahlzeit und Länge der Seitenkette. Die zugelassenen Wirkungsaussagen gelten für Vitamin K insgesamt, nicht für eine der beiden Formen im Besonderen.

Kann man Vitamin K überdosieren?

Eine tolerierbare Obergrenze wurde wegen unzureichender Daten nicht abgeleitet; oral zugeführtes Vitamin K gilt als gering toxisch. Die Höchstmengen für Präparate — 80 µg für K1 und 25 µg für K2 je Tagesverzehrempfehlung — beruhen deshalb nicht auf einer Vergiftungsgefahr, sondern auf der Wechselwirkung mit Gerinnungshemmern.


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Quellen

  • Europäische Union: Verordnung (EU) Nr. 432/2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger anderer gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel, konsolidierte Fassung vom 20.08.2025. Trägt: die beiden für Vitamin K zugelassenen Angaben „trägt zu einer normalen Blutgerinnung bei“ und „trägt zur Erhaltung normaler Knochen bei“ · sowie den Umstand, dass darüber hinaus keine Angabe für Vitamin K zugelassen ist.
  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Referenzwert Vitamin K, Stand der Ableitung 2000. Trägt: K1 (Phyllochinon) und K2 (Menachinone) und ihre Herkunft · stark unterschiedliche Absorptionsraten in Abhängigkeit von Lebensmittelmatrix und Seitenkettenlänge · Lebensmittelquellen · die vollständigen Schätzwerte der Tabelle einschließlich der Werte ab 51 Jahren · die vier Gründe für das Mangelrisiko gestillter Säuglinge und die Vitamin-K-Gabe unmittelbar nach der Geburt.
  • Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Höchstmengenvorschläge für Vitamin K in Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmitteln, Stellungnahme vom 15.03.2021. Trägt: Höchstmengen von 80,0 µg K1 und 25,0 µg K2 je Tagesverzehrempfehlung sowie kein Zusatz zu sonstigen Lebensmitteln · den empfohlenen Warnhinweis für Personen unter Gerinnungshemmern im Wortlaut · kein abgeleiteter UL wegen unzureichender Daten und geringe Toxizität bei oraler Zufuhr · Abschwächung der Wirkung von Vitamin-K-Antagonisten vom Cumarin-Typ durch alimentäre Vitamin-K-Zufuhr und bereits durch Vitamin-K-reiche Lebensmittel · erleichterte Dosiseinstellung bei adäquater Zufuhr mit geringer Schwankungsbreite · mittlere Aufnahme von 404 bzw. 431 µg/Tag bei Erwachsenen und 162–191 µg/Tag bei Kindern · kein Hinweis auf eine unzureichende Versorgung in Deutschland · Vorbehalt zur Datenqualität des Bundeslebensmittelschlüssels.

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