Magenschleimhautentzündung: woher sie kommt und wann sie abgeklärt gehört

Was eine Gastritis ist

Eine Gastritis ist eine Entzündung der Magenschleimhaut. Das Nationale Gesundheitsportal des Bundesministeriums für Gesundheit unterscheidet zwei Formen, und der Unterschied ist für Betroffene der praktisch wichtigste:

„Eine akute Gastritis macht sich durch deutlich spürbare Magen-Darm-Beschwerden bemerkbar. Für gewöhnlich klingen diese Beschwerden nach ein paar Tagen von selbst wieder ab. Eine chronische Gastritis bleibt häufig ohne eindeutige Symptome.“

Daraus folgt eine Asymmetrie, die viele überrascht: Die Form, die wehtut, geht meist von allein vorbei. Die Form, die man nicht merkt, ist die, die über Jahre Folgen haben kann. Nach Angabe des Gesundheitsportals bekommen in Deutschland schätzungsweise 20 von 100 Personen im Lauf ihres Lebens eine akute Gastritis.

Woher die Entzündung kommt

Drei Ursachengruppen stehen im Vordergrund.

Eine Infektion mit Helicobacter pylori. Das Bakterium besiedelt die Magenschleimhaut und ist nach der Leitlinie „die häufigste Ursache der gastroduodenalen Ulkuskrankheit“. Es hält sich in der Säure, indem es seine unmittelbare Umgebung neutralisiert.

Arzneimittel — vor allem entzündungshemmende Schmerzmittel. Das Gesundheitsportal beschreibt den Mechanismus:

„Erfolgt die Einnahme jedoch über einen längeren Zeitraum von Wochen oder Monaten, kann das die Schutzfunktion der Magenschleimhaut stören. Denn die Schmerzmittel blockieren die Bildung des Gewebehormons Prostaglandin. … Diese magenschädigende Wirkung kann sich verstärken, wenn man NSAR-Schmerzmittel zusammen mit Kortison einnimmt.“

Das ist der Punkt, an dem ein Beitrag über Gastritis praktisch wird: Wer regelmäßig entzündungshemmende Schmerzmittel nimmt — bei Rückenschmerzen, bei Gelenkbeschwerden, bei Migräne —, nimmt sie oft über Wochen, ohne dass jemand danach fragt.

Eine Autoimmunreaktion. Der Körper richtet sich gegen die säurebildenden Zellen des Magens. Diese Form ist selten.

Dazu kommen äußere Auslöser einer akuten Entzündung: verdorbene Speisen, sehr viel Alkohol, starke körperliche Belastung.

Zur Einteilung — und warum hier keine Buchstaben stehen

Ältere Darstellungen gliedern die chronische Gastritis in einen Typ A (autoimmun), Typ B (bakteriell) und Typ C (chemisch-toxisch). Diese Buchstaben kommen in der aktuellen Leitlinie der Fachgesellschaft nicht vor. Sie stuft die feingeweblichen Befunde stattdessen nach der Sydney-Klassifikation ein; die Entnahmestellen der Gewebeproben richten sich nach demselben System. Für die Frage, was zu tun ist, zählt ohnehin nicht der Buchstabe, sondern die Ursache — und die steht oben.

Helicobacter pylori: wie verbreitet, wie nachgewiesen, wie behandelt

Verbreitung. Die Leitlinie nennt für Deutschland eine Prävalenz von 35,3 % (95-%-Konfidenzintervall 31,2–39,4) und ordnet ein: „Deutschland gehört innerhalb Europas zu den Ländern mit geringerer Prävalenz.“ Zum Vergleich führt sie Portugal mit 86,4 % und die Schweiz mit 18,9 % an. Neuere Zahlen aus Blutspenden liegen bei 28,9 % — mit einem „Trend zu einer geringeren Prävalenz bei jüngeren Personen“.

Wichtig dabei: Eine Besiedlung ist keine Erkrankung. Die meisten Menschen, die das Bakterium tragen, merken davon nichts.

Nachweis. Die Leitlinie führt sieben ausreichend validierte Verfahren:

  • ohne Spiegelung: der 13C-Harnstoff-Atemtest, der Antigennachweis aus dem Stuhl und der Antikörpernachweis aus dem Blut
  • mit Spiegelung und Gewebeprobe: die feingewebliche Untersuchung, der Urease-Schnelltest, die Anzucht des Keims und die PCR

Welches Verfahren infrage kommt, hängt vom Einzelfall ab. Die Leitlinie hält fest, dass für eine zuverlässige Diagnostik „eigentlich zwei positive Testergebnisse mit unterschiedlichen Verfahren vorliegen“ sollten.

Behandlung — und was sich hier geändert hat. Die Leitlinie empfiehlt für die erste Behandlung:

„In der Erstlinientherapie sollte bevorzugt eine Bismuth-haltige Quadrupeltherapie für mindestens 10 Tage eingesetzt werden.“

Bemerkenswert ist, was sie im selben Atemzug ausschließt: „In Ermangelung einer gut dokumentierten lokalen Resistenzlage für Deutschland wird die Anwendung einer Clarithromycin-basierten Triple-Therapie in der Erstlinie nicht mehr empfohlen.“ Die über Jahre übliche Dreifachkombination ist damit nicht mehr die erste Wahl — weil das Bakterium gegen eines ihrer Antibiotika zunehmend unempfindlich geworden ist.

Diese Behandlung ist in jedem Bestandteil verschreibungspflichtig und wird ärztlich verordnet. Sie kombiniert einen Säurehemmer mit mehreren Wirkstoffen; welche das im Einzelfall sind, hängt unter anderem von Unverträglichkeiten, anderen eingenommenen Arzneimitteln und einer etwaigen Vorbehandlung ab. Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind deshalb vor der Einnahme ärztlich zu klären. Bleibt die erste Behandlung erfolglos, sieht die Leitlinie eine Resistenztestung vor — nicht einen zweiten Versuch aufs Geratewohl.

Wann Magenbeschwerden abgeklärt gehören

Die Leitlinie macht daraus eine starke Empfehlung: „Im Rahmen der Abklärung dyspeptischer Beschwerden soll eine H. pylori-Testung erfolgen.“ Ob das ohne oder mit Spiegelung geschieht, richtet sich nach dem Risikoprofil — und die Leitlinie benennt, was dafür zählt: das Beschwerdebild, ein Alter über 50 Jahren und Risikofaktoren wie Gewichtsverlust oder eine Blutarmut. In diesen Fällen wird eher gleich gespiegelt.

Bei einem Magengeschwür oder einem Geschwür des Zwölffingerdarms soll nach der Leitlinie in jedem Fall eine Testung auf H. pylori erfolgen.

Für Sodbrennen und Rückfluss von Magensäure gilt das ausdrücklich nicht: Diese Beschwerden sind nach der Leitlinie kein Anlass für eine Eradikationsbehandlung. Was bei ihnen hilft und was belegt ist, steht in einem eigenen Beitrag zu Sodbrennen und Refluxkrankheit.

Was dieser Beitrag nicht leistet

  • Keine Präparatenamen, keine Dosierungen, keine Bezugsquellen. Die Eradikationsbehandlung wird ärztlich zusammengestellt.
  • Keine Ernährungsempfehlung als Behandlung. Schonkost bei akuten Beschwerden ist verbreitet und plausibel; ein Wirksamkeitsbeleg dafür steht in den herangezogenen Quellen nicht.
  • Keine Aussage zu Kindern. Die Leitlinie behandelt sie gesondert; dieser Beitrag tut es nicht.
  • Keine Selbstdiagnose. Magenschmerzen, Übelkeit und Völlegefühl sind unspezifisch. Sie können von der Schleimhaut kommen, von der Gallenblase, von der Bauchspeicheldrüse oder vom Herzen.

Quellen

  • Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS): Aktualisierte S2k-Leitlinie Helicobacter pylori und gastroduodenale Ulkuskrankheit, AWMF-Registernummer 021-001, letzte inhaltliche Bearbeitung Mai 2022, im Dokument ausgewiesene Gültigkeit bis 30. April 2027 (PDF, 64 Seiten). Trägt: H. pylori als häufigste Ursache der gastroduodenalen Ulkuskrankheit · Prävalenz in Deutschland 35,3 % (95 % CI 31,2–39,4), Vergleichswerte Portugal 86,4 % und Schweiz 18,9 %, Seroprävalenz bei Blutspenden 28,9 % mit „Trend zu einer geringeren Prävalenz bei jüngeren Personen“, „Deutschland gehört innerhalb Europas zu den Ländern mit geringerer Prävalenz“ · die sieben validierten Nachweisverfahren (Empfehlung 2.1) und die Forderung nach zwei positiven Tests mit unterschiedlichen Verfahren (Statement 2.2) · „In der Erstlinientherapie sollte bevorzugt eine Bismuth-haltige Quadrupeltherapie für mindestens 10 Tage eingesetzt werden.“ (Empfehlung 5.4) und „… wird die Anwendung einer Clarithromycin-basierten Triple-Therapie in der Erstlinie nicht mehr empfohlen.“ · Resistenztestung nach erfolgloser Erstlinientherapie (Empfehlung 5.5) · „Im Rahmen der Abklärung dyspeptischer Beschwerden soll eine H. pylori-Testung erfolgen.“ (Empfehlung 3.6) mit Alter über 50 Jahren, Gewichtsverlust und Anämie als Kriterien für die endoskopische Abklärung · Testung bei peptischem Ulkus (Empfehlung 3.1) · Refluxbeschwerden als ausdrücklich keine Indikation für eine Eradikation · Einstufung der histologischen Befunde nach der Sydney-Klassifikation; die Typenbezeichnungen A, B und C kommen im Dokument nicht vor.
  • Bundesministerium für Gesundheit, Nationales Gesundheitsportal: Magenschleimhautentzündung (Gastritis), Stand 13.11.2025. Trägt: Abgrenzung akute und chronische Gastritis im zitierten Wortlaut · Häufigkeit „schätzungsweise 20 von 100 Personen im Lauf ihres Lebens“ · Mechanismus der NSAR-bedingten Schädigung im zitierten Wortlaut, einschließlich der Verstärkung durch die Kombination mit Kortison · Kombination aus Protonenpumpenhemmer, zwei Antibiotika und Bismut bei nachgewiesener Helicobacter-Infektion.

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Hinweise zu Aktualisierungen und Korrekturen

Korrektur: Dieser Beitrag wurde am 10. September 2026 inhaltlich korrigiert.