Korrekturhinweis vom 7. September 2026. Die frühere Fassung dieses Beitrags begann mit dem Satz „Depressionen zählen zu den bipolaren Erkrankungen.“ Das Verhältnis ist umgekehrt: Eine bipolare Störung umfasst depressive Phasen — eine Depression ist deshalb aber keine bipolare Störung. Außerdem hieß es dort, die Therapie solle „in einer Klinik erfolgen“, damit sie Erfolg habe; auch diese Aussage ist entfernt worden. Die Häufigkeitsangabe „0,3 bis 1,9 Prozent“ bezog sich nicht auf Depressionen und ist ersetzt.
In einer Krise: Telefonseelsorge 116 123, kostenlos und rund um die Uhr. Außerhalb der Praxiszeiten ärztlicher Bereitschaftsdienst 116 117. „Wenn jemand sich oder andere gefährdet, zögern Sie nicht, den Rettungsdienst unter der Nummer 112 oder die Polizei unter der Nummer 110 zu rufen.“ (Bundesministerium für Gesundheit)
Was eine bipolare Störung ist
Das Bundesministerium für Gesundheit beschreibt sie so: „Bei einer bipolaren Störung kommt es zu starken Stimmungsschwankungen. Die Gefühle pendeln zwischen Hochgefühl und Tatendrang, Niedergeschlagenheit und innerer Leere.“
Und zum Verlauf: „Normalerweise wechseln sich manische (antriebsgesteigerte) Phasen mit depressiven (antriebslosen) Phasen ab oder es kommt zu Mischzuständen.“
Das ist der Unterschied zu einer Depression: Dort fehlt der manische Pol. Eine bipolare Störung enthält depressive Phasen — eine Depression ist deshalb aber keine bipolare Störung.
Wie häufig sie ist
„Weltweit haben etwa 2 von 100 Menschen eine bipolare Störung.“
Bipolar I und Bipolar II
Unterschieden werden zwei Formen: Beim Typ I wechseln sich ausgeprägte manische und depressive Phasen ab. Beim Typ II treten depressive Phasen zusammen mit hypomanen Phasen auf — also mit weniger stark ausgeprägten Hochphasen, ohne vollständige manische Episode.
Mischzustände und das Suizidrisiko
Am gefährlichsten ist nicht der Tiefpunkt allein, sondern die Mischung. Zu Mischzuständen — gedrückte Stimmung bei gleichzeitig gesteigertem Antrieb — hält das Bundesgesundheitsministerium fest: „In solch einer Phase ist das Suizidrisiko besonders hoch.“
Das ist der wichtigste Satz dieses Beitrags. Wer sich in einer solchen Phase befindet oder jemanden begleitet, sollte nicht abwarten. Die Nummern stehen oben.
Wie behandelt wird
Das Bundesgesundheitsministerium nennt beide Bausteine. Medikamentös kommen Antidepressiva und Stimmungsstabilisierer zum Einsatz, dazu atypische Neuroleptika. In der Psychotherapie stehen Psychoedukation und die kognitive Verhaltenstherapie im Vordergrund — Psychoedukation heißt: die eigene Erkrankung, ihre Frühwarnzeichen und ihren Verlauf verstehen lernen.
Zur Dauer: „Die meisten Menschen mit einer bipolaren Störung benötigen eine lebenslange Behandlung.“
Das klingt hart und ist zugleich die gute Nachricht: Eine behandelte bipolare Störung ist etwas anderes als eine unbehandelte. Die Dauerhaftigkeit der Behandlung ist kein Zeichen dafür, dass sie nicht wirkt.
Wo behandelt wird
Nicht grundsätzlich in einer Klinik. Die frühere Fassung behauptete das; die herangezogene Quelle sagt es nicht. Behandlung findet ambulant statt, in Praxen und Ambulanzen — eine stationäre Behandlung kommt in bestimmten Situationen hinzu, etwa in einer akuten Phase. Wo behandelt wird, ist eine Einzelfallentscheidung und keine Regel.
Was dieser Beitrag nicht leistet
- Keine Selbsteinschätzung. Stimmungsschwankungen hat jeder; eine bipolare Störung ist etwas anderes. Die Unterscheidung trifft eine Fachperson.
- Keine Symptomliste zum Abgleichen. Die frühere Fassung führte siebzehn Beschwerden auf. Eine solche Liste lädt zur Selbstdiagnose ein und leistet dabei genau das nicht, was sie verspricht.
- Keine Wirkstoffe, keine Dosierungen, keine Behandlungsdauer in Wochen. Die frühere Fassung nannte „2 bis 6 Wochen“ für die Akutbehandlung und „sechs bis zwölf Monate“ für die Folgephase — ohne Quelle. Diese Angaben sind entfallen.
- Keine Begriffe, die es fachlich nicht gibt. „Stimmungsaufheller“ und „Antimanika“ standen in der Altfassung als Medikamentengruppen. Die Quelle nennt Stimmungsstabilisierer, Antidepressiva und atypische Neuroleptika.
Das Bundesgesundheitsministerium stellt seinen Informationen den Satz voran: „Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.“ Für diesen Beitrag gilt dasselbe.
Quellen
- Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de: Bipolare Störung: Verlauf und Behandlung — Krankheitsbild, Wechsel der Phasen, Häufigkeit, Typ I und II, Mischzustände und Suizidrisiko, Medikamente und Psychotherapie, lebenslange Behandlung
- Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de: Anlaufstellen bei psychischen Krisen — Telefonseelsorge 116 123, ärztlicher Bereitschaftsdienst 116 117, Rettungsdienst 112 und Polizei 110
Depression? Dann lass ich mal Rainer hier
Gut, dass Depressionen in unserer Gesellschaft immer mehr als Krankheit angesehen werden und nicht als Schwäche. Dies ist ein großer Fortschritt.