Kälte, Wind und trockene Heizungsluft setzen der Haut zu. Dieser Beitrag fasst zusammen, was dagegen belegt hilft — und benennt am Ende, welche verbreiteten Winterpflege-Tipps hier bewusst fehlen.
Warum die Haut im Winter austrocknet
Trockene Haut ist keine Randerscheinung. Nach Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit sind in Deutschland schätzungsweise rund 10 Millionen Menschen pro Jahr davon betroffen.
Als äußere Ursachen nennt das Ministerium ausdrücklich Kälte, Wind, niedrige Luftfeuchtigkeit, trockene Heizungsluft im Winter und starke Sonneneinstrahlung. Damit fällt im Winter mehreres zusammen: draußen Kälte und Wind, drinnen Heizungsluft. Hinzu kommt ein Faktor, den niemand beeinflussen kann — mit zunehmendem Alter wird trockene Haut häufiger.
Entscheidend ist, was dabei passiert: Wird die Haut zu trocken, ist ihre schützende Barrierefunktion gestört. Schädliche Stoffe dringen dann leichter ein. Trockene Haut ist also nicht nur ein kosmetisches Thema.
Woran Sie trockene Haut erkennen
Das Bundesgesundheitsministerium nennt als Beschwerden:
- Spannungsgefühl
- Rauheit und Schuppung
- Rötung
- feine Risse
- Juckreiz und Schmerzen
Waschen und Duschen: der größte Hebel
Hier lässt sich am schnellsten etwas ändern. Das Bundesgesundheitsministerium empfiehlt milde, nichtalkalische Seifen und rückfettende Bäder — und nennt eine konkrete Grenze: Ein Vollbad sollte nicht länger als fünf Minuten dauern.
Das ist die kürzeste und am besten belegte Empfehlung in diesem Beitrag. Wer im Winter unter trockener Haut leidet und sonst nichts ändert, sollte hier anfangen.
Welche Pflegeprodukte im Winter passen
Pflegeprodukte unterscheiden sich vor allem im Verhältnis von Fett zu Wasser. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) beschreibt es so: Salben enthalten viel Fett und bilden „einen dicken, lange anhaltenden Schutzfilm“. Cremes enthalten mehr Wasser als Salben, und Lotionen enthalten von allen Pflegeprodukten am meisten Wasser.
Daraus folgt die jahreszeitliche Empfehlung: Im Sommer, bei Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit, sind dünnere Produkte oft angenehmer — im Winter eignen sich dickere Produkte besser.
Manche Produkte enthalten zusätzlich wasserbindende Substanzen wie Harnstoff (Urea). Dazu gehört ein Hinweis, der oft fehlt: Vor allem bei Kindern und Säuglingen können harnstoffhaltige Mittel die Haut reizen und leichtes Brennen auslösen.
„Parfümfrei“ ist keine Garantie
Duftstoffe gelten als häufige Auslöser von Hautreizungen — deshalb der verbreitete Rat, zu parfümfreien Produkten zu greifen. Das IQWiG nennt dazu einen Befund, der diesen Rat einschränkt: In einer Untersuchung von über 150 verschiedenen Produkten enthielt fast die Hälfte aller als parfümfrei deklarierten Präparate einen Duftstoff oder andere Allergene.
Praktisch heißt das: Die Auslobung auf der Vorderseite ersetzt den Blick auf die Inhaltsstoffliste nicht — und bei wiederholten Reizungen ist die Ursache eher in der Rezeptur zu suchen als in der Anwendung.
Sonnenschutz im Winter — der unterschätzte Punkt
Dass UV-Schutz im Winter Thema ist, überrascht viele. In den Bergen ist er es besonders. Das Bundesamt für Strahlenschutz nennt zwei Größen:
„Frischer Schnee reflektiert bis zu 90 Prozent der UV-Strahlung und verstärkt sie dadurch.“
„Die UV-Strahlung nimmt um ca. 10 Prozent pro 1000 Höhenmeter zu.“
Beides zusammen erklärt, warum ein sonniger Skitag eine höhere UV-Belastung bedeuten kann als mancher Sommertag im Flachland. Die Empfehlung des Bundesamts ist entsprechend konkret:
- unbedeckte Haut und die Lippen mit einem Breitband-Sonnenschutzmittel (Schutz vor UV-A- und UV-B-Strahlung) mit hohem bis sehr hohem Lichtschutzfaktor schützen
- für die Augen sind eine die Augen umschließende Sonnenbrille mit UV400-Schutz, UV400-Skibrillen oder Gletscherbrillen mit UV400-Schutz unverzichtbar
Die Lippen werden dabei am häufigsten vergessen. Das Bundesamt nennt sie ausdrücklich.
Wann trockene Haut ärztlich abgeklärt gehört
Das Bundesgesundheitsministerium nennt ein klares Kriterium: wenn die Haut trotz geeigneter Pflegemaßnahmen weiter austrocknet.
Dahinter können Erkrankungen stehen, die eine eigene Behandlung brauchen — etwa Neurodermitis oder Schuppenflechte. Für die Abgrenzung gilt, was das Ministerium seinen Informationen voranstellt: Die Informationen können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen.
Was dieser Beitrag nicht leistet — und warum
Diese Fassung ist deutlich kürzer als die vorherige. Der Grund: Eine Reihe von Aussagen, die hier über Jahre standen, ließ sich nicht belegen — und eine davon war sachlich falsch.
- Keine Produkt- oder Markenempfehlungen. Dieser Beitrag nennt Produktarten (Salbe, Creme, Lotion) und einen belegten Inhaltsstoff (Harnstoff), aber keine Marken.
- Keine Wirkversprechen zu einzelnen Inhaltsstoffen. Die frühere Fassung schrieb Hyaluronsäure, Ceramiden, Niacinamid, Sheabutter, Arganöl und weiteren Stoffen konkrete Wirkungen zu — ohne eine einzige Quelle. Diese Zuschreibungen sind entfallen.
- Keine Prozentzahlen zur Talgproduktion oder zur Luftfeuchtigkeit. Die früheren Angaben („bis zu 60 % weniger Talg“, „unter 30 % Luftfeuchtigkeit“) waren nicht belegt.
- Korrigiert: die Reflexion durch Schnee. Die frühere Fassung nannte 80 Prozent. Das Bundesamt für Strahlenschutz nennt bis zu 90 Prozent für frischen Schnee.
- Gestrichen: das Einfrieren von Wasser in der Haut. Die frühere Fassung behauptete an drei Stellen, bei Minusgraden könne das Wasser in einer Feuchtigkeitscreme gefrieren und Mikroverletzungen verursachen. Für diese Aussage findet sich in den hier herangezogenen Quellen kein Beleg. Die sinnvolle Empfehlung — im Winter fettreichere Produkte — steht oben und ist belegt; sie braucht diese Begründung nicht.
- Keine Hausmittel-Empfehlungen. Kokosöl, Honig, Avocado und Haferflocken standen ohne Beleg im Text und sind entfallen.
Quellen
- Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de: Trockene Haut — Häufigkeit, Ursachen, Barrierefunktion, Beschwerden, Waschempfehlungen, ärztliche Abklärung
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de: Hautpflege bei Neurodermitis — Salben, Cremes und Lotionen, jahreszeitliche Auswahl, Harnstoff, Untersuchung zu als parfümfrei deklarierten Produkten
- Bundesamt für Strahlenschutz (BfS): UV-Schutz im Winter — Reflexion durch frischen Schnee, Zunahme mit der Höhe, Schutzempfehlungen für Haut, Lippen und Augen
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