Worum es geht
Nach einer COVID-19-Impfung können Impfreaktionen auftreten. Dieser Beitrag ordnet ein, welche häufig sind, welche selten, was über Langzeitfolgen bekannt ist — und wem die Ständige Impfkommission (STIKO) eine Impfung derzeit überhaupt empfiehlt.
Alle Angaben stammen aus den veröffentlichten Antworten des Robert Koch-Instituts; das jeweilige Standdatum ist genannt.
Häufige Impfreaktionen
Impfreaktionen treten nach Darstellung des RKI in der Regel kurz nach der Impfung auf und klingen innerhalb weniger Tage ab.
- Häufigste lokale Reaktion: Druckschmerzen an der Einstichstelle, gelegentlich Rötung und Schwellung.
- Systemische Reaktionen: Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen oder Fieber.
Solche Reaktionen sind Ausdruck der Auseinandersetzung des Immunsystems mit dem Impfstoff. Sie sind keine Komplikation und kein Hinweis auf einen Schaden.
Seltene Nebenwirkungen — und was über sie bekannt ist
Anaphylaktische Reaktionen (allergische Sofortreaktionen) wurden kurz nach der Impfung in sehr seltenen Fällen berichtet.
Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen (Myokarditis und Perikarditis) wurden ebenfalls sehr selten beobachtet. Das RKI beschreibt das Muster genauer, als es meist wiedergegeben wird:
- Die Fälle traten hauptsächlich innerhalb von 14 Tagen nach der Impfung auf.
- Sie traten häufiger nach der zweiten Impfstoffdosis auf als nach der ersten.
- Betroffen waren häufiger Jungen und jüngere Männer im Alter zwischen 12 und 30 Jahren.
- Die Erkrankungen verliefen meist mild bis moderat, vereinzelt jedoch auch schwerwiegend.
Für die Einordnung wichtig ist ein zweiter Satz des RKI: SARS-CoV-2-Infektionen gehen insbesondere bei einem schweren Verlauf ihrerseits mit einem höheren Risiko für Myokarditiden und Perikarditiden einher. Das Risiko besteht also auf beiden Seiten der Entscheidung — es ist keine Wahl zwischen Risiko und Risikofreiheit.
Ab einem Alter von 30 Jahren unterscheiden sich die Risiken der Impfstoffe nach Angaben des RKI nicht.
Wer überwacht die Sicherheit?
In Deutschland ist das Paul-Ehrlich-Institut für die Überwachung, Bewertung und Veröffentlichung möglicher Impfkomplikationen und von Verdachtsfällen einer Impfnebenwirkung zuständig. Weiterführende Angaben stehen in den wissenschaftlichen Begründungen der STIKO, in den Sicherheitsberichten des Paul-Ehrlich-Instituts und in den Fachinformationen der Impfstoffe.
Die STIKO-Empfehlung hat sich 2026 geändert
Ältere Darstellungen nennen eine Empfehlung, die es in dieser Form nicht mehr gibt.
Stand 27. Juli 2026 empfiehlt die STIKO eine jährliche Auffrischimpfung im Spätsommer oder Frühherbst für Personen mit erhöhtem Risiko für einen schweren Verlauf sowie für Personen mit erhöhtem arbeitsbedingtem Infektionsrisiko. Dazu gehören:
- alle Personen ab 75 Jahren
- Personen ab 6 Monaten mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge einer Grunderkrankung
- Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen sowie Personen mit erhöhtem Risiko in Einrichtungen der Eingliederungshilfe
- Schwangere bei erhöhter Gefährdung infolge einer Grunderkrankung oder schwangerschaftsassoziierter Komplikationen
Zwei Änderungen sind praktisch bedeutsam:
- Die Altersgrenze wurde von 60 auf 75 Jahre angehoben. Für gesunde Erwachsene unter 75 Jahren besteht damit regelhaft keine Indikation für eine jährliche Auffrischimpfung mehr.
- Die Empfehlung zur Basisimmunität ist entfallen. Das RKI begründet das damit, dass mehr als 95 Prozent der erwachsenen Bevölkerung nach wiederholten Antigenkontakten durch Infektion und/oder Impfung über eine breite Immunität verfügen, die gesunde Erwachsene in der Regel gut vor schweren Verläufen schützt.
Das RKI hält außerdem fest: Die Impfentscheidung soll individuell nach ärztlicher Beratung erfolgen, wobei das Risiko eines schweren Verlaufs gegen Nutzen und mögliche Nebenwirkungen abgewogen wird. Personen aus den Risikogruppen können auf die Auffrischimpfung verzichten, wenn sie immungesund sind und sich im Laufe des Jahres bereits infiziert haben.
Wirksamkeit — mit Zahlen, nicht mit Adjektiven
Zur Verhinderung von Hospitalisierungen nennt das RKI für XBB.1.5-basierte Impfstoffe eine Wirksamkeit von 45 bis 58 Prozent und für JN.1-adaptierte Impfstoffe von 70 Prozent. Zur Verhinderung COVID-19-bedingter Todesfälle wurde eine Effektivität von 78 Prozent berichtet.
Empfohlen sind alle zugelassenen mRNA- und proteinbasierten Impfstoffe mit einer von der WHO oder der EMA empfohlenen Variantenanpassung.
Langzeitfolgen
Zu dieser Frage macht dieser Beitrag bewusst keine quantitative Aussage. Formulierungen wie, schwerwiegende Langzeitfolgen seien „äußerst selten“, gestützt auf „weltweite Beobachtungsstudien“, nennen keine benennbare Fundstelle.
Belegbar ist: Die beobachteten Nebenwirkungen treten überwiegend kurz nach der Impfung auf; die Myokarditisfälle traten hauptsächlich innerhalb von 14 Tagen auf. Die laufende Überwachung liegt beim Paul-Ehrlich-Institut.
Was dieser Beitrag nicht leistet
Er trifft keine Impfentscheidung. Die STIKO verweist sie ausdrücklich in die ärztliche Beratung im Einzelfall.
Er nennt keine Präparate als Empfehlung und keine Dosierungen.
Er behandelt nicht die Behandlung von Long COVID. Das ist ein eigenes Thema mit eigener Evidenzlage.
Quellen
- Robert Koch-Institut: COVID-19-Impfempfehlung der STIKO, Stand 27. Juli 2026. Trägt: jährliche Auffrischimpfung im Spätsommer/Frühherbst · Altersgrenze 75 Jahre · Personen ab 6 Monaten mit Grunderkrankung · Pflegeeinrichtungen und Eingliederungshilfe · Schwangere · Wegfall der Basisimmunität und dessen Begründung.
- Robert Koch-Institut: COVID-19 und Impfen: Antworten auf häufig gestellte Fragen, Abschnitt „Sicherheit“, Stand 29. September 2025. Trägt: lokale und systemische Impfreaktionen · Anaphylaxie · Myokarditis und Perikarditis mit Zeitfenster, Dosisbezug, Altersgruppe und Verlauf · erhöhtes Myokarditisrisiko durch die Infektion selbst · Zuständigkeit des Paul-Ehrlich-Instituts · Wirksamkeitszahlen · individuelle Impfentscheidung nach ärztlicher Beratung.
Zuletzt überarbeitet am
Hinweise zu Aktualisierungen und Korrekturen
Korrektur: Dieser Beitrag wurde am 10. September 2026 inhaltlich korrigiert.