Hitze wird gefährlich, bevor sie sich gefährlich anfühlt. Das Robert Koch-Institut schätzt für die Sommer 2023, 2024 und 2025 rund 3.200, 3.000 und 2.500 hitzebedingte Sterbefälle in Deutschland; den größten Anteil bilden Menschen ab 75 Jahren. Dieser Beitrag beschreibt, ab wann Hitze gesundheitlich zählt, woran die fünf Hitzeerkrankungen zu erkennen sind und in welchen Fällen der Notruf gewählt wird.
Ab wann Hitze gesundheitlich zählt
Das Nationale Gesundheitsportal des Bundesgesundheitsministeriums nennt zwei Schwellen. Die erste ist eine Raumtemperatur: „Spätestens jedoch, wenn die Raum- und Umgebungstemperatur 26 Grad erreicht oder wenn das Wohlbefinden eingeschränkt ist, sollten erste Maßnahmen ergriffen werden.“
Die zweite betrifft die Dauer: „Wenn extreme Temperaturen ab 30 Grad am Tag und ab 20 Grad in der Nacht über mehrere Tage anhalten, steigt das Gesundheitsrisiko stark an.“ Entscheidend ist damit nicht der einzelne heiße Tag, sondern die ausbleibende nächtliche Erholung.
Das Thermometer allein gibt die Belastung nicht wieder. Windstärke, Luftdruck und Luftfeuchtigkeit gehen in die gefühlte Temperatur ein, und die kann „Im Extremfall kann sie bis zu 15 Grad über der gemessenen Lufttemperatur liegen.“. Für ältere und pflegebedürftige Menschen gilt bereits eine gefühlte Temperatur über 30 Grad als belastend — „also eventuell sogar niedrigere Lufttemperaturen als 30 Grad“.
Was im Körper geschieht
Der Körper kühlt sich auf zwei Wegen: Schweiß verdunstet auf der Haut, und die Blutgefäße erweitern sich, damit über die Haut mehr Wärme abgegeben wird.
Beides hat einen Preis. Mit dem Schweiß gehen Elektrolyte verloren — Blutsalze wie Natrium und Magnesium, die unter anderem die Funktion von Nerven und Muskeln stützen. Das Gesundheitsportal beschreibt die Folge: „Ein Flüssigkeits- und Elektrolytmangel kann zu hitzebedingten Erkrankungen führen. Anzeichen dafür sind Kopfschmerzen und Unwohlsein, Kreislaufprobleme, Verwirrtheitszustände und im Extremfall Bewusstlosigkeit.“

Nicht nur die eigentlichen Hitzeerkrankungen nehmen zu. Das Portal nennt ausdrücklich auch Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und der Atemwege und einen zweiten, oft übersehenen Faktor: Mit der Hitze steigt die Ozonbelastung, was Beschwerden der Atemwege sowie Reizungen von Augen und Schleimhäuten auslösen kann.
Wer besonders gefährdet ist
Nach dem Gesundheitsportal sind vor allem gefährdet:
- Menschen ab 65 Jahren
- ältere alleinlebende Menschen mit eingeschränkter Mobilität
- pflegebedürftige Menschen
- Säuglinge und Kleinkinder
- Menschen mit Vorerkrankungen und Menschen mit akuten Erkrankungen
- Menschen, die im Freien oder körperlich schwer arbeiten
- Menschen in besonderen Lebenslagen, etwa ohne Wohnung oder mit einer Abhängigkeitserkrankung
Für ältere und pflegebedürftige Menschen wird die Liste der Vorerkrankungen konkret: Bettlägerigkeit und eingeschränkte Beweglichkeit, koronare Herzkrankheit, Herzinsuffizienz, Zustand nach Schlaganfall, Erkrankungen der Nerven wie eine Polyneuropathie, Erkrankungen, die Gedächtnis und Wahrnehmung beeinträchtigen, sowie Diabetes, chronische Lungen- und Nierenerkrankungen, Infektionskrankheiten, Durchfall und Fieber.
Das heißt nicht, dass gesunde Erwachsene sicher sind. Bei ihnen entsteht ein Hitzschlag laut Gesundheitsportal typischerweise anders: durch „zu viel körperliche Anstrengung bei hohen Temperaturen, beispielsweise Sport oder Arbeit im Freien“.
Die fünf Hitzeerkrankungen — und wann der Notruf gewählt wird
Das Gesundheitsportal unterscheidet Sonnenstich, Hitzekollaps, Hitzekrampf, Hitzeerschöpfung und Hitzschlag.
| Bild | Anzeichen | was zu tun ist |
|---|---|---|
| Sonnenstich | nach direkter Sonne auf den Kopf; bei einem starken Sonnenstich Bewusstseinsstörungen oder steifer Nacken | schattiger, gut belüfteter Ort, Oberkörper und Kopf erhöht lagern, Kopf mit feuchten kalten Tüchern kühlen. Bei Bewusstseinsstörungen oder steifem Nacken: Notruf |
| Hitzekollaps | kurze Ohnmacht, oft nach längerem Stehen; im Liegen geht es schnell besser | kühler Ort, Rückenlage, Beine hoch. Immer den Notruf wählen, um einen Hitzschlag oder andere Ursachen auszuschließen |
| Hitzekrampf | schmerzhafte Muskelkrämpfe in Armen, Beinen oder Unterleib, oft nach Anstrengung, manchmal erst Stunden später | ausruhen, Muskeln vorsichtig dehnen und massieren, reichlich trinken. Länger als eine Stunde: ärztlich abklären |
| Hitzeerschöpfung | starker Durst, Schwäche, kalte feuchte Haut, hoher Puls bei niedrigem Blutdruck, schnelle flache Atmung, Übelkeit, Schwindel | kühler Ort, beengende Kleidung lockern, Körper mit feuchten Tüchern kühlen, trinken. Über 38 Grad Körpertemperatur oder länger als eine Stunde: ärztlich abklären |
| Hitzschlag | Körpertemperatur über 40 Grad, Kreislaufprobleme, Bewusstseinsstörungen, eventuell Krampfanfälle, Erbrechen, Durchfall | Sofort den Notruf wählen. Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes so rasch wie möglich kühlen; bei Verdacht auf einen Herz-Kreislauf-Stillstand mit Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen |
Drei Punkte, die das Portal eigens hervorhebt und die im Ernstfall den Unterschied machen:
Eine Hitzeerschöpfung kann in einen Hitzschlag übergehen. Deshalb wird die Körpertemperatur wiederholt gemessen.
Ein Hitzschlag setzt keine extreme Außentemperatur voraus. Wörtlich: „Bei einer Hitzeerschöpfung muss die Körpertemperatur nicht stark erhöht sein und ein Hitzschlag kann auch vorliegen, wenn die Umgebungstemperatur nicht extrem hoch ist. … Im Zweifelsfall sollte ein Hitzschlag angenommen und der Notruf gewählt werden.“
Kühlpacks gehören in ein Tuch. Direkt auf die Haut gelegt, können sie Erfrierungen verursachen.
Arzneimittel bei Hitze
Manche Arzneimittel erschweren die Anpassung an Hitze — „beispielsweise wenn sie entwässernd wirken oder die Schweißproduktion vermindern“. Umgekehrt kann Hitze die Wirkdauer von Arzneimitteln und von Wirkstoffpflastern verändern.
Daraus folgt nicht, eine Therapie zu verändern. Das Gesundheitsportal ist an dieser Stelle unmissverständlich: Wer regelmäßig Arzneimittel einnimmt, bespricht zu Beginn des Sommers mit der hausärztlichen Praxis, ob und wie eine Anpassung in extremen Hitzephasen möglich ist — „Verändern Sie die Dosierung aber nie ohne ärztlichen Rat.“
Ein praktischer Zusatz: Viele Arzneimittel verlieren bei Hitze an Wirksamkeit und gehören kühl aufbewahrt. Ein Hinweis dazu steht in der Packungsbeilage.
Was schützt
Den Tagesablauf anpassen
Die Mittagshitze im Freien meiden und Aktivitäten in die Morgen- und Abendstunden legen; das gilt ausdrücklich auch für Sport. Draußen im Schatten bleiben, leichte Kleidung tragen, bei Sonne Kopfbedeckung und Sonnenbrille. Und ein Satz, der keine Ausnahme kennt: „Lassen Sie Kinder oder gesundheitlich geschwächte Menschen niemals in einem geparkten Fahrzeug oder in der direkten Sonne zurück — auch nicht für kurze Zeit.“
Trinken und essen
Das Portal nennt für Hitzeperioden mindestens anderthalb bis zwei Liter Flüssigkeit täglich und bei körperlicher Arbeit zwei bis vier Gläser eines kühlen, alkoholfreien Getränks pro Stunde. Geeignet sind natriumreiches Mineral- oder Leitungswasser, Saftschorlen und ungesüßte Tees; zu meiden sind Getränke mit Alkohol, Koffein oder viel Zucker.
Auch wenn der Appetit nachlässt: Leichte Mahlzeiten bleiben wichtig. „Suppen, Brühen und wasserreiches Obst und Gemüse helfen den Körper mit ausreichend Flüssigkeit zu versorgen und den Elektrolytverlust auszugleichen.“
Wie viel Flüssigkeit der Körper überhaupt braucht, welche Getränke sich eignen und welche verbreiteten Regeln sich nicht belegen lassen, steht im Beitrag Trinken bei Hitze. Bei Herz-Kreislauf- oder Nierenerkrankungen wird die Trinkmenge ärztlich besprochen — mehr ist dort nicht automatisch besser.
Wohnräume kühl halten
Nachts und am frühen Morgen lüften, tagsüber Fenster geschlossen halten und die Räume abdunkeln, sich in den kühlsten Räumen aufhalten — insbesondere nachts. Zur Kühlung des Körpers nennt das Portal Dusche, Arm- und Fußbäder, feuchte Kompressen und einen Wasserzerstäuber, mit dem Hinweis: „Trocknen Sie sich möglichst wenig ab.“ Die Verdunstung ist der kühlende Teil.
Für ältere und pflegebedürftige Menschen kommt ein Punkt hinzu, der leicht übersehen wird: Bei Hitze steigt die Sturzgefahr, weil Hitze zu Kreislaufproblemen führt. Vorsicht gilt beim Treppensteigen, Aufstehen und Gehen.
Wer eine gefährdete Person kennt, bietet Hilfe an. Das Gesundheitsportal stellt diesen Satz an das Ende seiner Risikogruppenliste, und er ist die wirksamste Maßnahme für Menschen, die allein leben.
Was dieser Beitrag nicht behauptet
Er nennt keine Schwelle für einen Flüssigkeitsverlust in Prozent des Körpergewichts, ab der die Leistungsfähigkeit nachlässt. Für eine solche Angabe liegt kein Beleg vor.
Er behauptet keinen bezifferbaren Zusammenhang zwischen Hitze und psychischer Belastung, keine hitzebedingte Verschlechterung der Konzentration in Zahlen und keine „Studien“, ohne sie zu nennen.
Er beurteilt keine Klimaentwicklung und trifft keine Aussage darüber, wie sich die Zahl der Hitzetage weiterentwickelt.
Er ersetzt keine ärztliche Einschätzung. Bei Vorerkrankungen und bei laufender Arzneimitteltherapie ist sie die Voraussetzung, nicht die Ergänzung.
Quellen
- Nationales Gesundheitsportal (Bundesministerium für Gesundheit): Auswirkungen von Hitze auf die Gesundheit, Stand 6. Juni 2025 — Schwellen von 26 Grad Raumtemperatur sowie 30 Grad am Tag und 20 Grad in der Nacht; gefühlte Temperatur bis zu 15 Grad über der Lufttemperatur; Kühlmechanismen und Elektrolytverlust; Zunahme von Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen sowie der Ozonbelastung; Risikogruppen; Anzeichen, Erste Hilfe und Notrufkriterien für Sonnenstich, Hitzekollaps, Hitzekrampf, Hitzeerschöpfung und Hitzschlag; Schutzmaßnahmen für Tagesablauf, Trinken, Essen und Wohnräume
- Nationales Gesundheitsportal: Hitze: Ältere und Pflegebedürftige, Stand 4. Juni 2025 — gefühlte Temperatur über 30 Grad als belastend; Liste der Vorerkrankungen, die die Anpassung erschweren; entwässernde und die Schweißproduktion vermindernde Arzneimittel; Wirkdauer von Arzneimitteln und Wirkstoffpflastern; Dosierung nie ohne ärztlichen Rat verändern; erhöhte Sturzgefahr
- Bundesministerium für Gesundheit: Gesundheitsrisiko Hitze — Schätzungen des Robert Koch-Instituts von rund 3.200, 3.000 und 2.500 hitzebedingten Sterbefällen für die Sommer 2023, 2024 und 2025 sowie einer Übersterblichkeit von etwa 4.500 Menschen im Jahr 2022; höchster Anteil bei Personen ab 75 Jahren; wöchentlicher RKI-Bericht zur hitzebedingten Mortalität seit 2023
- Umweltbundesamt: Klimawandel und Gesundheit — Einordnung von Hitze als Umwelteinfluss auf die menschliche Gesundheit
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Hinweise zu Aktualisierungen und Korrekturen
Korrektur: Dieser Beitrag wurde am 10. September 2026 inhaltlich korrigiert.