Trinken bei Hitze: Wie viel, was — und welche Regeln nicht stimmen

Der Körper eines Erwachsenen zwischen 25 und 50 Jahren braucht am Tag rund 2,6 Liter Wasser — davon etwa 1,4 Liter aus Getränken, den Rest aus fester Nahrung und aus dem Stoffwechsel selbst. Bei Hitze steigt dieser Bedarf, weil der Körper über den Schweiß kühlt und dabei Flüssigkeit und Blutsalze verliert. Wer sich an einer Faustregel wie „vier Liter am Tag“ orientiert, trinkt an einer Zahl entlang, die niemand hergeleitet hat.

Die Richtwerte, und was sie bedeuten

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung gibt für die Wasserzufuhr Richtwerte an — keine Mindestmengen und keine Zielvorgaben, sondern Erwartungswerte für durchschnittliche Lebensbedingungen und einen bedarfsgerechten Energieumsatz.

Alter durch Getränke gesamt
1 bis unter 4 Jahre 820 ml 1.300 ml
7 bis unter 10 Jahre 970 ml 1.800 ml
13 bis unter 15 Jahre 1.330 ml 2.450 ml
19 bis unter 25 Jahre 1.470 ml 2.700 ml
25 bis unter 51 Jahre 1.410 ml 2.600 ml
51 bis unter 65 Jahre 1.230 ml 2.250 ml
65 Jahre und älter 1.310 ml 2.250 ml
Schwangere 1.470 ml 2.700 ml
Stillende 1.710 ml 3.100 ml

Auffällig ist die Spalte rechts: Die Gesamtmenge ist deutlich größer als das, was man trinkt. Die DGE beziffert das so: „Ein Drittel der benötigten Wassermenge wird über die feste Nahrung — insbesondere Gemüse und Obst — gedeckt und mehr als die Hälfte über Getränke.“ Der kleine Rest entsteht im Stoffwechsel beim Abbau von Nährstoffen.

Deshalb führt die Rechnung „Trinkmenge gleich Gesamtbedarf“ regelmäßig zu Zahlen, die zu hoch sind.

Warum Hitze den Bedarf verschiebt

Die DGE nennt die Umstände, unter denen mehr nötig ist, ausdrücklich: „Bei hohem Energieumsatz, Hitze, trockener kalter Luft, reichlichem Speisesalzverzehr und pathologischen Zuständen wie Fieber, Erbrechen und Durchfall besteht ein erhöhter Wasserbedarf.“

Wie viel mehr, lässt sich nicht allgemein beziffern — es hängt davon ab, wie stark jemand schwitzt. Das Nationale Gesundheitsportal des Bundesgesundheitsministeriums nennt für Hitzeperioden eine praktische Untergrenze: „Nehmen Sie täglich mindestens anderthalb bis zwei Liter Flüssigkeit zu sich.“ Für körperliche Arbeit bei Hitze wird es konkreter: „trinken Sie pro Stunde zwei bis vier Gläser eines kühlen, alkoholfreien Getränks.“

Mit dem Schweiß gehen nicht nur Wasser, sondern auch Blutsalze verloren. Das Portal empfiehlt deshalb, den Verlust über das Essen auszugleichen: „Suppen, Brühen und wasserreiches Obst und Gemüse helfen den Körper mit ausreichend Flüssigkeit zu versorgen und den Elektrolytverlust auszugleichen.“

Was sich als Getränk eignet

Als Durstlöscher nennt die DGE Mineral- und Trinkwasser sowie ungesüßte Kräuter- und Früchtetees.

Für Hitzeperioden nennt das Gesundheitsportal dieselbe Auswahl und ergänzt, was zu meiden ist: „Hilfreich sind natriumreiches Mineral- oder Leitungswasser, Saftschorlen und ungesüßte Tees. Meiden Sie Getränke mit Alkohol, Koffein oder viel Zucker.“

Mineralwasser und Leitungswasser stehen dort nebeneinander — nicht in einer Rangfolge. Wie es um die Qualität des Leitungswassers in Deutschland bestellt ist und wann eine eigene Untersuchung sinnvoll sein kann, behandelt der Beitrag zur Trinkwasserqualität. Warum stark gezuckerte Getränke die ungünstigste Wahl sind, steht im Beitrag über Zucker und Gesundheit.

Kaffee — die Regel, die nicht stimmt

Verbreitet ist die Annahme, Kaffee entziehe dem Körper Wasser und sei deshalb kein Beitrag zur Flüssigkeitsversorgung. Die DGE ordnet Kaffee anders ein: als Genussmittel, das „nur in moderaten Mengen von 3-4 Tassen getrunken werden“ sollte — nicht als etwas, das man gegenrechnen müsste.

Für Hitzetage bleibt der Rat des Gesundheitsportals bestehen, koffeinhaltige Getränke eher zu meiden. Das ist ein Rat zur Auswahl, keine Aussage über eine entwässernde Wirkung. Ausführlich behandelt der Beitrag Ist Kaffee gesund? die Frage.

Alkohol bei Hitze

Hier ist die Quellenlage eindeutig. Das Gesundheitsportal führt Alkohol in der Liste dessen auf, was bei Hitze zu meiden ist; für ältere und pflegebedürftige Menschen wird es noch deutlicher: „Koffeinhaltige Getränke können in Maßen oder verdünnt getrunken werden, alkoholische Getränke sollte man dagegen vermeiden.“

Unabhängig von der Hitze gilt, was das Portal zum Alkohol selbst festhält: „Alkohol hat keine gesundheitlichen Vorteile. Je mehr Alkohol getrunken wird, desto schädlicher ist er.“ Als Empfehlung der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen nennt es für gesunde Erwachsene ohne Alkoholproblem höchstens 12 Gramm Alkohol pro Tag für Frauen — etwa ein kleines Bier von 0,3 Litern — und höchstens 24 Gramm für Männer, dazu mindestens zwei alkoholfreie Tage pro Woche. Schwangere sollten gar keinen Alkohol trinken.

Was sich aus diesen Quellen nicht ableiten lässt: eine bezifferte Aussage darüber, um wie viel schneller Alkohol bei Hitze wirkt. Diese Behauptung ist nicht belegt. Belegt ist der einfache Teil: Alkohol ist bei Hitze zu meiden, und er ist kein Durstlöscher.

Warm oder kalt — die Frage im Titel

Für ältere und pflegebedürftige Menschen ist die Antwort belegt: „Ideal sind kühle Getränke … Nicht empfehlenswert sind (eis-)kalte Getränke.“ Für Hitzeperioden allgemein spricht das Gesundheitsportal von einem kühlen Getränk, nicht von einem eiskalten.

Der Mechanismus, mit dem das häufig begründet wird, ist es nicht. Dass ein kaltes Getränk den Körper unter dem Strich erwärme, weil es im Magen aufgeheizt werden müsse, findet sich in keiner der geprüften Quellen. Der Rat lautet schlicht: kühl statt eiskalt. Heißen Tee als Kühlmittel empfiehlt keine dieser Quellen.

Wann die Trinkmenge in ärztliche Hände gehört

Für einige Menschen ist mehr trinken nicht besser, sondern riskant. Das Gesundheitsportal formuliert es als Ausnahme von der eigenen Empfehlung: „Bei Vorerkrankungen wie Herz-Kreislauf- oder Nierenerkrankungen sollten Sie die richtige Trinkmenge mit ihrer behandelnden Ärztin oder ihrem behandelnden Arzt besprechen.“

Dasselbe gilt für Arzneimittel, die den Flüssigkeitshaushalt beeinflussen — etwa entwässernde Mittel. Ob und wie sie in einer Hitzephase angepasst werden, entscheidet die behandelnde Praxis: „Verändern Sie die Dosierung aber nie ohne ärztlichen Rat.“

Was dieser Beitrag nicht behauptet

Er nennt keine Trinkmenge pro Kilogramm Körpergewicht. Eine solche Formel steht in keiner der geprüften Quellen.

Er behauptet keine entwässernde Wirkung von Kaffee und keinen erwärmenden Effekt kalter Getränke.

Er empfiehlt keine Marke, kein Mineralwasser und kein Produkt.

Quellen

  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr — Wasser, Stand der Ableitung 2000 — Richtwerte der Wasserzufuhr nach Altersgruppen; Anteil von fester Nahrung und Getränken an der Gesamtmenge; Mineral- und Trinkwasser sowie ungesüßte Tees als Durstlöscher; Kaffee und schwarzer Tee in moderaten Mengen von 3 bis 4 Tassen; erhöhter Wasserbedarf unter anderem bei Hitze
  • Nationales Gesundheitsportal (Bundesministerium für Gesundheit): Auswirkungen von Hitze auf die Gesundheit, Stand 6. Juni 2025 — mindestens anderthalb bis zwei Liter täglich; zwei bis vier Gläser pro Stunde bei körperlicher Arbeit; geeignete und zu meidende Getränke; Ausgleich des Elektrolytverlusts über Suppen, Brühen, wasserreiches Obst und Gemüse; ärztliche Absprache der Trinkmenge bei Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankungen
  • Nationales Gesundheitsportal: Hitze: Ältere und Pflegebedürftige, Stand 4. Juni 2025 — kühle statt eiskalter Getränke; alkoholische Getränke vermeiden; Dosierung von Arzneimitteln nie ohne ärztlichen Rat verändern
  • Nationales Gesundheitsportal: Alkohol: Wirkung, Folgen und Abhängigkeit, Stand 28. August 2020 — Alkohol hat keine gesundheitlichen Vorteile; Empfehlung der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen von höchstens 12 beziehungsweise 24 Gramm pro Tag und mindestens zwei alkoholfreien Tagen pro Woche; kein Alkohol in der Schwangerschaft

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Hinweise zu Aktualisierungen und Korrekturen

Korrektur: Dieser Beitrag wurde am 10. September 2026 inhaltlich korrigiert.