Nahrungsmittelallergie: Diagnose, Behandlung und der Notfall

Bei einer schweren allergischen Reaktion — Beschwerden in mehreren Körperbereichen, Atemnot, Kreislaufprobleme — gilt: Notruf 112 und mitteilen, dass es sich vermutlich um eine Anaphylaxie handelt. Ein vorhandenes Notfallset wird wie vorgegeben angewendet. Näheres im Abschnitt „Wenn die Reaktion schwer verläuft“.

Was eine Nahrungsmittelallergie ist

Bei einer Nahrungsmittelallergie richtet sich das Immunsystem gegen Eiweiße in einem Lebensmittel, die für andere Menschen harmlos sind. Das unterscheidet sie von einer Unverträglichkeit, bei der ein Stoff nicht richtig verdaut oder verarbeitet wird — etwa Milchzucker. Beides wird im Alltag oft gleichgesetzt und ist medizinisch etwas anderes.

Wie sie festgestellt wird

Hier liegt der Punkt, an dem viele Selbsttests scheitern. Haut- und Bluttests zeigen nur eine Sensibilisierung, nicht die Allergie selbst. Das IQWiG beschreibt den Bluttest so:

„Bei der Blutuntersuchung wird geprüft, ob der Körper bestimmte Antikörper (meist IgE-Antikörper) gegen ein Nahrungsmittel gebildet hat.“

Für den Nachweis reicht das in der Regel nicht:

„Um eine Nahrungsmittelallergie nachzuweisen, ist meist ein Provokationstest nötig, bei dem man kleine Mengen des verdächtigen Nahrungsmittels unter ärztlicher Beobachtung zu sich nimmt.“

Unter ärztlicher Beobachtung — das ist der entscheidende Halbsatz. Ein Provokationstest gehört nicht in die eigene Küche.

Die wichtigste Behandlung

„Die wichtigste Behandlung besteht darin, auf die auslösenden Nahrungsmittel zu verzichten.“

Ist eine Allergie bestätigt, muss das Lebensmittel in der Regel konsequent gemieden werden — auch kleine Mengen können eine Reaktion auslösen. Das macht das Lesen von Zutatenlisten und die Frage nach Zutaten außer Haus zur Dauergewohnheit.

Dafür gibt es eine rechtliche Grundlage. Nach Angabe des Bundesinstituts für Risikobewertung müssen in Europa „die 14 häufigsten Auslöser von Allergien und nichtallergischen Unverträglichkeiten auf Lebensmitteln verpflichtend gekennzeichnet werden“, wenn sie als Zutat eingesetzt werden. Für unbeabsichtigte Einträge — die „Kann Spuren enthalten“-Hinweise — gilt das nicht; über Schwellenwerte dafür wird seit Jahren diskutiert. Das ist der Grund, warum ein solcher Hinweis keine verlässliche Mengenangabe ist.

Zu den häufigsten Auslösern im Kindesalter zählt dasselbe Institut Hühnerei, Kuhmilch, Erdnuss, Schalenfrüchte wie Haselnuss oder Cashew, Weizen, Fisch und Soja; Kinder mit Neurodermitis haben ein erhöhtes Risiko.

Medikamente spielen dabei eine kleinere Rolle, als viele annehmen: „Medikamente spielen bei der Behandlung leichterer Beschwerden bislang fast keine Rolle.“

Warum es keine Hyposensibilisierung gibt

Bei Heuschnupfen oder einer Insektengiftallergie ist eine spezifische Immuntherapie möglich. Bei Nahrungsmittelallergien nicht:

„Eine Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie), wie sie bei anderen Allergien möglich ist, wird bei Nahrungsmittelallergien bislang noch nicht angeboten.“

Wer ein Angebot findet, das etwas anderes verspricht, sollte es mit der behandelnden Praxis besprechen, bevor er es annimmt.

Wenn die Reaktion schwer verläuft

Eine anaphylaktische Reaktion betrifft mehrere Körperbereiche gleichzeitig. Das IQWiG beschreibt das Tempo: „Die Beschwerden können innerhalb weniger Minuten stärker werden.“

Das Bundesministerium für Gesundheit beschreibt dieselbe Lage und was dann zählt: Bei einer solchen Reaktion sind mindestens zwei Organsysteme gleichzeitig betroffen — etwa Haut und Atemwege oder Magen-Darm-Trakt und Kreislauf —, und es „wird ein spezielles Notfallset verwendet“, mit dem sich schwerwiegende Symptome behandeln und eine Verschlimmerung vorbeugen lassen. Schwere Allergien lassen sich zudem im Notfalldatensatz der elektronischen Gesundheitskarte hinterlegen.

Das Notfallset

„Um eine anaphylaktische Reaktion sofort behandeln zu können, ist es wichtig, ein Notfallset in der Nähe zu haben. Es enthält eine Adrenalin-Spritze, ein Antihistaminikum und eine kortisonhaltige Tablette oder Flüssigkeit.“

Ein solches Set ist verschreibungspflichtig und wird nicht auf Verdacht besorgt: „Ein Notfallset kann ärztlich verschrieben werden für Menschen, die schon einmal eine Anaphylaxie durchgemacht haben.“ Die enthaltenen Wirkstoffe — Adrenalin, ein Antihistaminikum und ein Kortisonpräparat — werden nur in dieser Notfallsituation und nur so angewendet, wie sie vor der Anwendung ärztlich erklärt wurden; für andere Beschwerden sind sie nicht gedacht, und ihre Gegenanzeigen und Wechselwirkungen bespricht die verordnende Praxis.

Dazu gehört Übung: „Es gibt Schulungsprogramme, in denen der Umgang mit einer Anaphylaxie und dem Notfallset vermittelt wird.“ Und: „Wichtig ist auch, in der Familie, im Freundeskreis und am Arbeitsplatz jemanden mit dem Gebrauch des Notfallsets vertraut zu machen.“ Im Ernstfall ist die betroffene Person unter Umständen nicht mehr in der Lage, das Set selbst zu bedienen.

Was im Notfall zu tun ist

  • 112 anrufen und sagen, dass es sich vermutlich um eine Anaphylaxie handelt.
  • Das Notfallset wie vorgegeben verwenden. Wichtigstes Medikament darin ist Adrenalin.
  • Richtig lagern: „Meist bietet sich flaches Liegen an, bei Atemnot eine (halb) sitzende Position.“
  • Körperliche Anstrengung vermeiden.

Kinder

Bei Säuglingen und kleinen Kindern zeigen sich Reaktionen häufig anders und werden leichter übersehen. Ein Verdacht gehört deshalb in die kinderärztliche Praxis — und nicht in einen Selbstversuch mit Weglassen und Wiedereinführen, weil dabei sowohl eine gefährliche Reaktion als auch eine unnötige Mangelernährung entstehen kann.

Was dieser Beitrag nicht leistet

  • Keine Häufigkeitszahlen. Für Prozentwerte zu Erwachsenen und Kindern liegt keine belastbare Quelle vor.
  • Keine Liste der häufigsten Allergene nach Lebensalter. Auch dafür liegt kein Beleg vor.
  • Keine Aussage zu Auslösern wie Alkohol oder biogenen Aminen. Solche Verstärker tragen die herangezogenen Quellen nicht.
  • Keine Ernährungsempfehlung. Welche Lebensmittel gemieden werden müssen und wie eine ausgewogene Ernährung trotzdem gelingt, gehört in eine Ernährungsberatung — besonders bei Kindern.

Quellen

  • Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de: Nahrungsmittelallergie: Diagnose und Behandlung — Bluttest, Provokationstest unter ärztlicher Beobachtung, Verzicht als wichtigste Behandlung, Rolle der Medikamente, Notfallset, keine Hyposensibilisierung
  • IQWiG, gesundheitsinformation.de: Anaphylaktische Reaktion (Anaphylaxie) — Tempo der Verschlechterung, Notruf 112, Anwendung des Notfallsets, Lagerung
  • Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de: Nahrungsmittelallergie: Symptome und Diagnose — Anaphylaxie als stärkste Form mit mindestens zwei betroffenen Organsystemen, Notfallset, Hinterlegung schwerer Allergien im Notfalldatensatz, sorgfältige Diagnose statt unnötigen Verzichts
  • Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Lebensmittelallergien — verpflichtende Kennzeichnung der 14 häufigsten Auslöser nach der Lebensmittelinformationsverordnung, fehlende Regelung für unbeabsichtigte Allergeneinträge und die Diskussion über Schwellenwerte, häufige Auslöser im Kindesalter

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Hinweise zu Aktualisierungen und Korrekturen

Korrektur: Dieser Beitrag wurde am 7. September 2026 inhaltlich korrigiert.