Wenn eine allergische Reaktion den ganzen Körper erfasst — Atemnot, Kreislaufprobleme, Schwellungen an mehreren Stellen —, ist das ein Notfall. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) rät, „die Notfallnummer 112 zu wählen und mitzuteilen, dass es sich vermutlich um eine Anaphylaxie handelt“. Näheres im Abschnitt „Wenn es mehr als Heuschnupfen ist“.
Was bei einer Pollenallergie geschieht
Bei einer Pollenallergie reagiert das Immunsystem auf Eiweiße im Blütenstaub, die für den Körper harmlos wären. Die Beschwerden zeigen sich dort, wo die Pollen ankommen: in Nase, Augen und Atemwegen. Häufige Auslöser sind Baumpollen wie Birke, Erle und Hasel sowie Gräser- und Kräuterpollen.
Was bei allergischem Schnupfen hilft
Das IQWiG beschreibt zwei Wirkstoffgruppen und eine klare Reihenfolge.
Kortison-Nasensprays sind meist die erste Wahl: „Häufig werden als erste Behandlungsmöglichkeit Kortison-Nasensprays empfohlen. Sie sind ähnlich gut verträglich wie andere Mittel und wirksamer als beispielsweise Antihistaminika-Tabletten.“ Als Nebenwirkungen nennt das IQWiG „leichtere Nebenwirkungen … wie Nasenbluten, Kopfschmerzen oder Geschmacksstörungen“.
Antihistaminika gibt es als Tablette und als Nasenspray: „Tabletten wirken innerhalb der ersten Stunde, Nasensprays innerhalb der ersten 15 Minuten nach Anwendung.“ Häufigste Nebenwirkungen der Tabletten sind Müdigkeit und Kopfschmerzen.
Kombinationen können mehr bewirken als ein einzelner Wirkstoff: „Manche Nasensprays enthalten sowohl ein Antihistaminikum als auch Kortison. Diese Kombination ist wirksamer als die Behandlung mit nur einem der Wirkstoffe.“
Warum die Auswahl trotzdem in die Sprechstunde gehört
Ein Teil dieser Mittel ist frei verkäuflich, ein anderer verschreibungspflichtig — je nach Wirkstoff, Stärke, Darreichungsform und Alter. Welches Mittel passt und welches nicht in Frage kommt, hängt vom Alter ab, von einer Schwangerschaft, von Vorerkrankungen und von Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Antihistaminika-Tabletten machen zudem häufig müde — eine Gegenanzeige für alles, was Aufmerksamkeit verlangt, vom Autofahren bis zur Arbeit an Maschinen. Diese Auswahl wird vor der Anwendung ärztlich oder in der Apotheke besprochen, nicht danach.
Dazu kommt ein Grund, der über die Beschwerden hinausgeht. Das Bundesministerium für Gesundheit weist darauf hin: „In manchen Fällen entwickelt sich allergischer Schnupfen nach einigen Jahren zu allergischem Asthma.“ Eine Pollenallergie dauerhaft nur mit Mitteln aus der Selbstmedikation zu überdecken, lässt genau diese Entwicklung unbeobachtet.
Und ein Satz, der eine ganze Produktgruppe betrifft. Das Nationale Gesundheitsportal hält fest: „Es gibt bisher keinen Beleg, dass pflanzliche oder homöopathische Mittel oder Akupunktur bei Allergien helfen.“ Für die Apothekenregale und die Werbung im Frühjahr ist das die entscheidende Auskunft.
Hyposensibilisierung: was sie leistet und was sie verlangt
Die spezifische Immuntherapie setzt nicht bei den Beschwerden an, sondern beim Immunsystem. Das Nationale Gesundheitsportal beschreibt sie und nennt die Anwendungsgebiete: „Eine Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie) kann bei einigen Allergien helfen, langfristig unempfindlicher gegen die Allergene zu werden. … Eine Hyposensibilisierung wird vor allem bei Allergien gegen Pollen, Hausstaubmilben und Insektengift eingesetzt.“ Die Pollenallergie ist damit einer der Hauptanwendungsfälle. Das IQWiG beschreibt das Ziel so: „Das Ziel einer Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie) ist es, die Allergiesymptome mittel- und langfristig zu verringern.“
Die Allergene werden „mithilfe von Spritzen (Injektionen) verabreicht“ oder „als Tropfen oder Tablette unter die Zunge (sublingual) gegeben“.
Der Zeitrahmen ist der Punkt, an dem viele Beschreibungen zu kurz greifen: „Sie dauert mindestens 3 bis 5 Jahre.“ Eine Besserung ist zwar schon im ersten Jahr möglich — „Normalerweise dauert es aber mindestens drei Jahre, bis die Behandlung ihre volle Wirkung zeigt.“
Nebenwirkungen sind häufig, meist mild: „Leichtere Nebenwirkungen treten bei über der Hälfte der Behandelten auf“ — genannt werden leichter Hautausschlag, Juckreiz und Schwellungen im Mund sowie Müdigkeit und Kopfschmerzen.
Und es gibt ein seltenes, ernstes Risiko: „In Ausnahmefällen kann eine Hyposensibilisierung eine heftige allergische Reaktion auslösen – die anaphylaktische Reaktion“, und zwar „nach weniger als 1 von 1000 Spritzen“. Das ist der Grund, warum nach einer Spritze in der Praxis gewartet wird.
Die Behandlung ist „sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen möglich“.
Wenn es mehr als Heuschnupfen ist
Eine anaphylaktische Reaktion ist etwas anderes als starker Heuschnupfen. Das IQWiG beschreibt sie so: „Bei einer anaphylaktischen Reaktion (Anaphylaxie) … kommt es plötzlich zu teils starken Beschwerden in mehreren Körperbereichen.“
Frühe Anzeichen können sein: „metallischer Geschmack im Mund, Brennen an den Handinnenflächen und Fußsohlen“.
Das Tempo ist das Gefährliche: „Die Beschwerden können innerhalb weniger Minuten stärker werden.“
Was im Notfall zu tun ist
- 112 anrufen und sagen, dass es sich vermutlich um eine Anaphylaxie handelt.
- Ein vorhandenes Notfallset verwenden — „falls man ein Notfallset mit Medikamenten bei sich hat, es wie vorgegeben zu verwenden“. Das wichtigste Medikament darin ist Adrenalin.
- Richtig lagern: „Meist bietet sich flaches Liegen an, bei Atemnot eine (halb) sitzende Position.“
- Körperliche Anstrengung vermeiden.
Wenn die Allergie im Notfalldatensatz stehen sollte
Für Menschen mit einer bekannten schweren Allergie nennt das Gesundheitsportal eine Möglichkeit, die im Alltag untergeht: „Schwere Allergien, die das Risiko einer lebensbedrohlichen anaphylaktischen Reaktion bergen, können im Notfalldatensatz auf der elektronischen Gesundheitskarte gespeichert werden.“
Das ist die Information, die im Ernstfall vorliegt, wenn die betroffene Person sie nicht mehr selbst geben kann. Angelegt wird der Notfalldatensatz in der behandelnden Praxis.
Was im Alltag die Pollenlast senkt
Diese Maßnahmen behandeln nichts, sie verringern nur den Kontakt: Fenster im Schlafzimmer während des Pollenflugs geschlossen halten, Kleidung nicht im Schlafzimmer ablegen, abends die Haare waschen, Bettwäsche regelmäßig wechseln.
Was dieser Beitrag nicht leistet
- Keine Antibiotika. Sie wirken gegen Bakterien, nicht gegen allergische Reaktionen.
- Keine Dosierungen und keine Präparatenamen. Welches Mittel in welcher Stärke passt, entscheidet die ärztliche Praxis.
- Keine Hausmittel-Wirkversprechen. Empfehlungen wie ein „Staubsauger mit Pollenfilter, der auch alle Blüten von draußen mit aufsaugt“ sind ohne Beleg.
- Keine Aussage darüber, ob eine Hyposensibilisierung im Einzelfall sinnvoll ist. Das hängt von der Allergie, dem Alter und den Begleiterkrankungen ab und gehört in die ärztliche Sprechstunde.
Quellen
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de: Welche Medikamente können allergischen Schnupfen lindern? — Kortison-Nasensprays als erste Wahl, Antihistaminika, Wirkeintritt, Kombinationen, Nebenwirkungen
- IQWiG, gesundheitsinformation.de: Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie) bei Heuschnupfen — Ziel, Darreichungsformen, Dauer von mindestens 3 bis 5 Jahren, Nebenwirkungen, Risiko einer anaphylaktischen Reaktion
- IQWiG, gesundheitsinformation.de: Anaphylaktische Reaktion (Anaphylaxie) — Beschwerdebild, frühe Anzeichen, Notruf 112, Notfallset und Adrenalin, Lagerung
- Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de: Heuschnupfen: Diagnose, Behandlung und Therapie — Entwicklung zu allergischem Asthma, Hinweis zur Selbstbehandlung
- Bundesministerium für Gesundheit, Nationales Gesundheitsportal: Allergie: Vorbeugung und Behandlung — Hyposensibilisierung vor allem bei Allergien gegen Pollen, Hausstaubmilben und Insektengift, Dauer mindestens 3 bis 5 Jahre; „Es gibt bisher keinen Beleg, dass pflanzliche oder homöopathische Mittel oder Akupunktur bei Allergien helfen.“; Speicherung schwerer Allergien im Notfalldatensatz auf der elektronischen Gesundheitskarte
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Hinweise zu Aktualisierungen und Korrekturen
Korrektur: Dieser Beitrag wurde am 7. September 2026 inhaltlich korrigiert.