Burn-out: Wo Sie Hilfe bekommen und was dahinterstecken kann

Wenn Sie Gedanken daran haben, sich das Leben zu nehmen, sprechen Sie darüber — jetzt, nicht später.
Telefonseelsorge: 116 123 — kostenlos und rund um die Uhr erreichbar, auf Wunsch auch per E-Mail oder Chat.
Außerhalb der Praxiszeiten: ärztlicher Bereitschaftsdienst 116 117.
Wenn jemand sich oder andere gefährdet: Rettungsdienst 112 oder Polizei 110.
In vielen Städten und Gemeinden gibt es außerdem Krisendienste oder sozialpsychiatrische Dienste.

Was mit „Burn-out“ gemeint ist

Der Begriff ist genauer bestimmt, als sein Alltagsgebrauch vermuten lässt. Die Weltgesundheitsorganisation führt Burn-out in der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD-11) — und ausdrücklich nicht als Krankheit. Im Wortlaut: „It is not classified as a medical condition“ — es ist nicht als Krankheit eingestuft. Es steht in dem Kapitel, das Anlässe für einen Arztkontakt sammelt, die selbst keine Erkrankung sind („Factors influencing health status or contact with health services“).

Die Definition beschreibt ein Syndrom, das aus chronischem, nicht erfolgreich bewältigtem Stress am Arbeitsplatz hervorgeht — im Wortlaut „resulting from chronic workplace stress that has not been successfully managed“ —, mit drei Merkmalen — Erschöpfung beziehungsweise fehlende Energie, innere Distanz zur eigenen Arbeit, Negativismus oder Zynismus ihr gegenüber, und verringerte berufliche Leistungsfähigkeit.

Der Begriff gilt nur für den Arbeitskontext. Die Weltgesundheitsorganisation hält fest, er solle nicht zur Beschreibung von Erfahrungen in anderen Lebensbereichen verwendet werden — im Wortlaut „should not be applied to describe experiences in other areas of life“. Eine Erschöpfung, die aus Pflege von Angehörigen, aus einer Lebenskrise oder aus einer Erkrankung stammt, ist damit nicht weniger ernst — sie ist nur nicht das, was der Begriff bezeichnet, und sie gehört genauso abgeklärt.

Weil Burn-out keine Diagnose ist, ersetzt es keine. Was sich hinter der Erschöpfung verbirgt, kann sehr Unterschiedliches sein — darunter eine Depression, eine Angsterkrankung oder eine körperliche Erkrankung wie eine Schilddrüsenunterfunktion oder eine Blutarmut. Genau deshalb ist die Selbstetikettierung „Ich habe ein Burn-out“ der Punkt, an dem eine ärztliche Abklärung beginnen sollte — nicht der, an dem sie sich erübrigt.

Warum die Abgrenzung zur Depression zählt

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) beschreibt die Depression so: „Eine Depression führt zu Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit und Interessensverlust. Sie ist eine der häufigsten psychischen Erkrankungen.“

Und zum Kriterium, das die Feststellung trägt: „Wenn mehrere Haupt- und Nebensymptome zwei Wochen oder länger anhalten, wird eine Depression festgestellt.“

Die zwei Wochen sind der brauchbarste Anhaltspunkt dieses Beitrags. Wer über diesen Zeitraum erschöpft, freudlos und antriebslos ist, sollte das nicht als Arbeitsphase abtun.

Dazu hält das IQWiG fest: „Es können auch Gedanken an Selbsttötung aufkommen. Meistens bleibt es bei den Gedanken, aber leider nicht immer.“

Solche Gedanken sind ein Grund, Hilfe zu holen — und kein Grund, sich zu schämen.

Wie sich Erschöpfung entwickelt

Es gibt keinen festen Verlauf. Beschrieben wird häufig ein Muster, das bei vielen ähnlich beginnt: eine Phase hoher Einsatzbereitschaft, in der eigene Bedürfnisse zurückstehen und Pausen ausfallen. Dann Erschöpfungszeichen — Müdigkeit, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme —, denen häufig mit noch mehr Anstrengung begegnet wird. Schließlich Rückzug, Zynismus und das Gefühl, nichts mehr bewirken zu können.

Dieses Muster ist eine Beobachtung, keine Diagnose. Es hilft, sich selbst früher einzuordnen; es ersetzt keine Untersuchung, und es sagt nichts darüber, was im Einzelfall dahintersteckt.

Wohin man sich wenden kann

Das Bundesministerium für Gesundheit nennt mehrere Wege:

  • Telefonseelsorge, 116 123 — kostenlos, rund um die Uhr, auch per E-Mail und Chat, und ausdrücklich auch für Angehörige
  • hausärztliche Praxis als erste Anlaufstelle — auch, um körperliche Ursachen auszuschließen
  • psychotherapeutische Praxis oder Fachärztin beziehungsweise Facharzt
  • ärztlicher Bereitschaftsdienst, 116 117, außerhalb der Öffnungszeiten
  • Krisendienste und sozialpsychiatrische Dienste vor Ort — zu finden über die Suche nach „Krisendienst“ und dem Namen der eigenen Stadt

Was am Arbeitsplatz ansetzt

Arbeitsbedingungen sind ein realer Faktor — bei einem Begriff, der über chronischen Stress am Arbeitsplatz definiert ist, der Ausgangspunkt. Das Arbeitsschutzgesetz verpflichtet Arbeitgeber, die Gefährdungen der Beschäftigten zu beurteilen, und nennt in § 5 Abs. 3 Nr. 6 ArbSchG ausdrücklich „psychische Belastungen bei der Arbeit“ als eine Gefährdung, aus der sich Arbeitsschutzmaßnahmen ergeben können. Betriebsärztlicher Dienst, Betriebsrat und — wo vorhanden — betriebliches Eingliederungsmanagement sind Ansprechstellen.

Was hier bewusst nicht steht: Ratschläge wie „mehr Hobbys“, „besser abschalten“ oder „Sport treiben“. Solche Hinweise können im Alltag tragen. Als Antwort auf eine Erschöpfung, die über Wochen anhält, erzeugen sie vor allem Druck — und sie verschieben die Verantwortung auf die betroffene Person.

Für Angehörige

Da sein und zuhören hilft mehr als jeder Rat. Aufforderungen, sich zusammenzureißen, helfen nicht. Angehörige können sich selbst an die Telefonseelsorge wenden; das ist ausdrücklich vorgesehen.

Was dieser Beitrag nicht leistet

Er stellt keine Diagnose und bietet keinen Selbsttest. Phasenmodelle laden dazu ein, sich selbst einzusortieren — und genau das leisten sie nicht.

Er nennt keine Wirkstoffe und keine Behandlungsdauer.

Er behandelt Erschöpfung nicht als Frage der Einstellung.

Quellen

  • Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de: Anlaufstellen bei psychischen Krisen — Telefonseelsorge 116 123 kostenlos und rund um die Uhr, auch per E-Mail und Chat; ärztlicher Bereitschaftsdienst 116 117; Rettungsdienst 112 und Polizei 110 bei Eigen- oder Fremdgefährdung; Krisendienste und sozialpsychiatrische Dienste vor Ort
  • Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Depression — Krankheitsbild, Zwei-Wochen-Kriterium, Gedanken an Selbsttötung
  • Weltgesundheitsorganisation (WHO): Burn-out an occupational phenomenon — Einordnung in der ICD-11 als berufsbezogenes Phänomen und ausdrücklich nicht als Krankheit, Kapitel „Factors influencing health status or contact with health services“, Wortlaut der Definition mit den drei Merkmalen, Beschränkung auf den Arbeitskontext
  • Arbeitsschutzgesetz: § 5 ArbSchG — Beurteilung der Arbeitsbedingungen — Pflicht des Arbeitgebers zur Gefährdungsbeurteilung, psychische Belastungen bei der Arbeit als Gefährdung nach Absatz 3 Nummer 6

Zuletzt überarbeitet am

Hinweise zu Aktualisierungen und Korrekturen

Korrektur: Dieser Beitrag wurde am 8. September 2026 inhaltlich korrigiert.

Korrektur: Dieser Beitrag wurde am 12. September 2026 inhaltlich korrigiert.