Bärlauch sammeln: giftige Doppelgänger und was bei Vergiftungsverdacht zu tun ist

Verdacht auf eine Vergiftung? Das Bundesministerium für Gesundheit unterscheidet zwei Lagen: „Rufen Sie bei Bewusstlosigkeit, Herz-Kreislauf-Stillstand oder Atemnot den Notruf unter 112″ — und: „Bei nicht akut bedrohlichen Symptomen oder einem unklaren Verdacht auf eine Vergiftung können Sie sich von einer Giftnotrufzentrale beraten lassen.“ Die Giftnotrufzentralen sind 24 Stunden am Tag erreichbar.

Was bei Verdacht auf eine Vergiftung zu tun ist

Das Bundesinstitut für Risikobewertung nennt die Reihenfolge:

„Rufen Sie ein Giftinformationszentrum an oder suchen Sie eine Arztpraxis oder eine Klinik auf.“

Und was ausdrücklich nicht zu tun ist

„Bitte keine Milch oder Salzwasser verwenden, da Milch die Aufnahme bestimmter Giftstoffe fördern kann und Salzwasser insbesondere für kleinere Kinder lebensgefährlich sein kann. Kein Erbrechen auslösen.“

Beides sind verbreitete Hausmittel-Reflexe — und beide sind falsch.

Was hilft

Als erste Maßnahme nennt das Bundesinstitut: „ein oder zwei Gläser Wasser oder Tee“ zu trinken, wegen des Verdünnungseffekts. Und für den Weg in die Praxis oder Klinik: „Nehmen Sie beim Aufsuchen einer Arztpraxis oder einer Klinik die Pflanze/Pflanzenteile mit. Notfalls kann auch Erbrochenes bei der Identifikation helfen.“

Wo Sie ein Giftinformationszentrum erreichen

Die Zentren sind regional zuständig und jeweils unter einer eigenen Rufnummer erreichbar. Das Bundesinstitut für Risikobewertung führt sie in einem Verzeichnis der Giftinformationszentren auf, das unten verlinkt ist. Eine bundesweit einheitliche Nummer gibt es nicht — deshalb steht hier keine.

Die giftigen Doppelgänger

Das Bundesinstitut für Risikobewertung beschreibt das Problem so: Bärlauch „wird die Pflanze häufig mit giftigen ‚Doppelgängern‘ wie Maiglöckchen oder Herbstzeitlose verwechselt“.

Beide wachsen zur selben Zeit und oft am selben Ort wie der Bärlauch, und beide sind giftig.

Der Geruchstest — und warum er trügen kann

Der bekannteste Rat lautet, ein Blatt zwischen den Fingern zu zerreiben und daran zu riechen. Das Bundesinstitut beschreibt ihn so: „ein grünes Laubblatt zwischen den Fingern zu zerreiben. Tritt dann nicht der für Bärlauch typische knoblauchartige Geruch auf“ — dann handelt es sich nicht um Bärlauch.

Der Test hat aber eine Schwäche, die ihn im Sammelalltag unbrauchbar machen kann:

„Wenn nämlich der Lauchgeruch von einem vorangegangenen Test noch an den Händen haftet, kann dies zu einem falschen Ergebnis verleiten.“

Wer also mehrere Blätter nacheinander prüft, riecht ab dem zweiten Blatt womöglich nur noch die eigenen Finger. Genau so entstehen die Verwechslungen.

Die Empfehlung, die daraus folgt

Das Bundesinstitut für Risikobewertung zieht selbst die Konsequenz: „im Zweifelsfall besser auf den Verzehr selbst gesammelten Bärlauchs zu verzichten“.

Das ist die ehrlichste Auskunft, die dieser Beitrag geben kann. Es gibt kein Erkennungsmerkmal, das sich beim Sammeln zuverlässig anwenden lässt und keinen Zweifel offenlässt.

Was dieser Beitrag nicht leistet

  • Keine Symptomlisten zu den einzelnen Giftpflanzen. Beschwerdeverläufe bei Maiglöckchen und Herbstzeitlose tragen die hier abgerufenen Quellen nicht. Das ist auch praktisch richtig: Wer im Verdachtsfall erst Symptome abgleicht, verliert Zeit. Der Anruf beim Giftinformationszentrum ersetzt jede Symptomliste.
  • Keine Aussage zum Fuchsbandwurm. Das Thema ist ein anderes als die Verwechslungsgefahr und wird hier nicht behandelt.
  • Keine pauschale Notruf-Empfehlung. „Bei Vergiftung immer 112″ wäre falsch. Der Notruf gilt für die oben genannten akut bedrohlichen Zeichen; für den unklaren Verdacht ist die Giftnotrufzentrale die richtige Stelle.

Quellen

Zuletzt überarbeitet am

Hinweise zu Aktualisierungen und Korrekturen

Korrektur: Dieser Beitrag wurde am 7. September 2026 inhaltlich korrigiert.