Hirnhautentzündung (Meningitis): Warnzeichen und wann es ein Notfall ist

Wenn Sie den Verdacht auf eine Hirnhautentzündung haben, ist das kein Fall für einen Termin. Das Bundesministerium für Gesundheit formuliert es so: „Besteht der Verdacht auf eine Meningitis, sollte man sofort ein Krankenhaus aufsuchen.“ Ist die betroffene Person nicht ansprechbar, hat sie Atemnot oder einen Herz-Kreislauf-Stillstand, wählen Sie den Notruf 112.

Warum die Dringlichkeit so hoch ist

Es gibt zwei Verlaufsformen, und sie unterscheiden sich erheblich. Das Bundesgesundheitsministerium beschreibt virale Hirnhautentzündungen so: Sie „haben in der Regel einen milden Verlauf. Sie heilen meist ohne spezielle Therapie innerhalb von 2 bis 3 Wochen von allein aus.“ Bakterielle Formen dagegen „können […] manchmal sehr plötzlich beginnen, sich rasch verschlechtern und schnell zum Tod führen“.

Beim Robert Koch-Institut steht dieselbe Aussage in Stunden gerechnet: „Innerhalb weniger Stunden kann sich ein schweres, lebensbedrohliches Krankheitsbild entwickeln.“

Das ist der Grund für die Eile — und zugleich der Grund, warum von außen niemand entscheiden kann, welche Form vorliegt. Genau deshalb gilt der Verdacht, nicht die Gewissheit, als Handlungsgrund.

Warnzeichen bei Jugendlichen und Erwachsenen

Das Bundesgesundheitsministerium nennt als typische Zeichen Fieber, Nackensteife und Kopfschmerzen, dazu Lichtempfindlichkeit sowie Übelkeit und Erbrechen.

Das Robert Koch-Institut beschreibt den Beginn einer invasiven Meningokokken-Erkrankung als plötzlich einsetzende allgemeine Krankheitszeichen — Kopfschmerzen, Fieber, Schüttelfrost und Schwindel mit schwerstem Krankheitsgefühl. Als weitere Warnzeichen nennt es einen beschleunigten Puls, Kurzatmigkeit und Verwirrtheit.

Hauteinblutungen sind das Zeichen, das keinen Aufschub duldet

Das Robert Koch-Institut: „Petechiale Exantheme oder großflächigere Hauteinblutungen sind charakteristisch und vor allem bei septischen Verläufen ausgeprägt.“ Und weiter: Hauteinblutungen sind Hinweise auf einen schweren Krankheitsverlauf — dabei kann der Tod schon innerhalb weniger Stunden eintreten.

Gemeint sind punktförmige oder flächige Einblutungen unter der Haut, die sich beim Daraufdrücken nicht wegdrücken lassen.

Praktische Folge aus dieser Auskunft: Wer bei sich oder jemand anderem Fieber mit schwerem Krankheitsgefühl und solche Hauteinblutungen sieht, sollte nicht in eine Praxis fahren, sondern den Notruf 112 wählen. Diese Schlussfolgerung ziehen wir aus der zitierten Aussage; sie steht in dieser Form nicht wörtlich in der Quelle.

Bei Säuglingen und Kleinkindern sehen die Zeichen anders aus

Hier liegt die größte Verwechslungsgefahr. Das Bundesgesundheitsministerium hält fest: „Bei Neugeborenen und Kleinkindern sind die Symptome einer Hirnhautentzündung in der Regel weniger offensichtlich.“

Das Robert Koch-Institut nennt, worauf stattdessen zu achten ist: „Es können Fieber, Erbrechen, Reizbarkeit oder auch Schläfrigkeit, Krämpfe, Aufschreien sowie eine vorgewölbte oder harte Fontanelle auftreten.“

Eine steife Nacken — das bekannteste Zeichen — fehlt bei kleinen Kindern also häufig. Wer darauf wartet, wartet zu lange.

Wie lange es von der Ansteckung bis zum Ausbruch dauert

Das Robert Koch-Institut: „Die Inkubationszeit beträgt in der Regel 3 bis 4 Tage, sie kann allerdings auch zwischen 2 und 10 Tagen liegen.“

Das ist der Abstand zwischen Ansteckung und Beginn der Erkrankung — nicht die Zeit, die man nach dem Auftreten der Beschwerden hat. Diese beiden Zeiträume werden häufig verwechselt.

Was in der Klinik geschieht

Das Bundesgesundheitsministerium: „Bei Verdacht auf eine bakterielle Meningitis beginnen Ärztinnen und Ärzte die Therapie mit mehreren Antibiotika sofort.“ Die Behandlung beginnt also, bevor der Erreger feststeht — weil das Warten auf das Ergebnis zu lange dauern würde.

Das Robert Koch-Institut begründet es so: „Da sich innerhalb weniger Stunden ein schweres, lebensbedrohliches Krankheitsbild entwickeln kann, ist eine frühzeitige (Verdachts-)Diagnosestellung essentiell.“

Impfungen

Gegen einen Teil der bakteriellen Erreger gibt es Impfungen. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit gibt die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission so wieder: die Impfung gegen Meningokokken B für alle Kinder mit je einer Impfstoffdosis im Alter von 2, 4 und 12 Monaten, die Impfung gegen Meningokokken C für alle Kinder mit einer Impfstoffdosis im Alter von 12 Monaten.

Was dieser Beitrag nicht leistet

  • Er ermöglicht keine Ferndiagnose. Keine der genannten Beschwerden beweist eine Hirnhautentzündung, und keine schließt sie aus. Die Zeichen sind Anlass zum Handeln, nicht zur Einordnung.
  • Er nennt keine vollständige Symptomliste — es gibt keine. Eine Liste, die vollständig wirkt, erzeugt genau die falsche Sicherheit, die bei diesem Krankheitsbild gefährlich ist. Wer die aufgeführten Zeichen nicht bei sich wiederfindet und trotzdem schwer krank ist, gehört ebenso in ärztliche Behandlung.
  • Er nennt keine Behandlungsdauer und keine Wirkstoffe. Angaben wie „circa 10 bis 14 Tage“ für die Einnahme sind ohne Quelle.

Das Bundesgesundheitsministerium stellt seinen Informationen den Satz voran: „Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.“ Für diesen Beitrag gilt dasselbe.

Quellen

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