Kontaktlinsen: Hygiene, Wasser und warum Linsen nachts herausgehören

Die drei Regeln, um die es wirklich geht

1. Kontaktlinsen und Wasser vertragen sich nicht.
2. Kochsalzlösung spült, sie desinfiziert nicht.
3. Reizung ist ein Grund, die Linse herauszunehmen — nicht, sie zu ignorieren.

Alles Weitere in diesem Beitrag erklärt diese drei Sätze.

Warum Wasser das Hauptproblem ist

Der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands benennt den Erreger und den Weg:

„Akanthamöben kommen im Trinkwasser vor und können ins Auge gelangen, wenn man beispielsweise die Kontaktlinsen im Auge lässt, während man duscht, schwimmt oder wenn man die Kontaktlinsen mit Leitungswasser reinigt statt mit den empfohlenen Reinigungslösungen.“

Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft ordnet das Risiko ein:

„Kontaktlinsen sind das größte Risiko für eine Hornhautentzündung mit Akanthamöben – und dieses Risiko wird durch Schwimmen noch einmal gesteigert.“

Die Einzeller finden sich „bevorzugt in abgestandenem Wasser, kommen aber auch in Leitungswasser vor“. Die Empfehlung der Fachgesellschaft für die Badesaison lautet, man „sollte die Haftschalen beim Schwimmen nicht tragen und den Kopf besser über Wasser halten“.

Eine Akanthamöben-Keratitis ist selten. Sie ist aber schwer zu behandeln und kann das Sehvermögen dauerhaft schädigen. Das ist der Grund, warum diese eine Regel so streng ist.

Praktisch heißt das: Linsen heraus vor dem Duschen, Baden, Schwimmen und Gesichtwaschen. In der Sauna gilt dasselbe.

Die Hygieneregeln im Einzelnen

Der Berufsverband der Augenärzte nennt sie konkret:

Hände zuerst. „Bevor man die Kontaktlinsen anfasst, ist gründliches Händewaschen angesagt.“

Zum Abspülen sterile Kochsalzlösung. „Zum Abspülen der Linsen vor dem Einsetzen ins Auge ist eine sterile Kochsalzlösung zu verwenden.“

Das Wort steril trägt den Satz. Steril heißt: aus einer dafür hergestellten, ungeöffneten Packung. Selbst angerührtes Salzwasser ist keine sterile Kochsalzlösung, sondern Leitungswasser mit Salz — und damit genau der Weg, den der Absatz oben beschreibt.

Kochsalzlösung ersetzt keine Pflegelösung. Sie spült. Desinfizieren, reinigen und aufbewahren übernimmt die vom Anpasser empfohlene Pflegelösung.

Der Behälter ist Teil der Pflege. „Der Behälter für Kontaktlinsen muss ebenfalls regelmäßig desinfiziert werden und zudem alle drei bis sechs Monate ausgetauscht werden.“

Tages-, Wochen-, Monats- und Jahreslinsen

Der Unterschied liegt im Austauschrhythmus, nicht in der erlaubten Tragedauer am Stück.

Tageslinsen werden nach einem Tag entsorgt; Pflegemittel und Behälter entfallen. Sie sind pro Tag teurer.

Wochen- und Monatslinsen werden nach der angegebenen Frist ersetzt und in der Zwischenzeit täglich gereinigt und desinfiziert.

Jahreslinsen — häufig formstabile („harte“) Linsen — sind auf besonders sorgfältige Pflege angewiesen.

Die Angabe „30 Tage und Nächte nonstop“ gehört nicht hierher. Es gibt eigens dafür zugelassene Linsen für verlängertes Tragen; ob sie im Einzelfall infrage kommen, entscheidet die augenärztliche oder augenoptische Anpassung — es ist keine Eigenschaft von Monatslinsen. Für alle übrigen Linsen gilt: nachts heraus. Über Nacht liegt die Linse auf einer Hornhaut, die keinen Lidschlag und weniger Sauerstoff bekommt, und das ist der bekannteste Risikofaktor für eine Hornhautentzündung.

Anpassung

Kontaktlinsen sind kein Regalprodukt. Krümmungsradius, Durchmesser, Material und Tränenfilm entscheiden darüber, welche Linse verträglich ist. Die Anpassung gehört in eine augenärztliche Praxis oder zu einem qualifizierten Kontaktlinsenanpasser — auch bei farbigen oder Effektlinsen ohne Sehstärke, denn die liegen genauso auf der Hornhaut wie jede andere Linse.

Wann die Linse herausgehört und wann Sie zum Augenarzt sollten

„Sind die Augen gereizt, gönnt man ihnen eine Pause von den Kontaktlinsen. Bei hartnäckigen Beschwerden sollte man eine Augenarztpraxis aufsuchen.“

Rötung, Schmerz, Lichtscheu, ein Fremdkörpergefühl oder verschwommenes Sehen sind kein Anlass zum Weitertragen. Bei einer beginnenden Hornhautentzündung entscheidet die Zeit — hier gilt derselbe Grundsatz wie bei jeder Augenverletzung: lieber einmal zu früh vorstellig werden.

Was dieser Beitrag nicht leistet

Er nennt keine Marken und keine Pflegemittel.

Er nennt keine Tragedauer in Stunden. Wie lange eine bestimmte Linse getragen werden darf, steht in der Anpassung und in der Herstellerangabe.

Er ersetzt keine Anpassung und keine augenärztliche Kontrolle. Wer Linsen trägt, sollte die vereinbarten Kontrolltermine wahrnehmen, auch wenn nichts weh tut.

Quellen

Zuletzt überarbeitet am

Hinweise zu Aktualisierungen und Korrekturen

Korrektur: Dieser Beitrag wurde am 8. September 2026 inhaltlich korrigiert.

Zusammenführung: Dieser Beitrag wurde am 8. September 2026 um Inhalte eines früheren Beitrags ergänzt.