Wie Akne entsteht
Nicht durch mangelnde Hygiene, sondern durch Hormone. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) beschreibt es so:
„Androgene sind männliche Geschlechtshormone, die allerdings in der Pubertät auch vom weiblichen Körper verstärkt gebildet werden. Sie regen unter anderem die Haut an, mehr Fett zu produzieren.“
Und der zweite Schritt: „Wenn sich am Ausgang einer Talgdrüse jedoch eine Hornschicht bildet, kann der Talg nicht abfließen.“
Daraus entstehen Mitesser; entzünden sie sich, werden Pusteln und Knötchen daraus. Das Bundesministerium für Gesundheit beschreibt denselben Mechanismus: „Bei Jungen wie bei Mädchen werden verstärkt Androgene gebildet, die die Fettproduktion der Haut anregen“ — und wenn sich am Ausgang einer Talgdrüse eine Hornschicht bildet und die Drüse verstopft, entsteht ein Mitesser.
Verlauf
„Häufig verschwindet die Akne mit etwa 20 Jahren von selbst. Einige Menschen haben aber noch mit über 30 Akne.“
Dieser zweite Halbsatz ist der Grund, warum die Aussicht auf ein Ende in der Pubertät als Antwort nicht trägt. Und dazu kommt:
„Etwa 15 bis 30 von 100 Jugendlichen haben eine stärkere Akne, bei der eine ärztliche Beratung oder Behandlung sinnvoll sein kann.“
Bis zu jeder dritte. Das ist keine Randgruppe.
Was behandelt wird
„Wirksam sind beispielsweise Benzoylperoxid, Antibiotika und Retinoide.“
Benzoylperoxid ist teilweise rezeptfrei erhältlich; Antibiotika und Retinoide sind verschreibungspflichtig. Sie werden ärztlich verordnet, und die Anwendung wird vor der Einnahme ärztlich besprochen — einschließlich Gegenanzeigen und Wechselwirkungen. Für Retinoide zum Einnehmen gelten in der Schwangerschaft besondere Vorgaben. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte formuliert es unmissverständlich: „Sie sind stark teratogen und die Anwendung ist daher während der Schwangerschaft kontraindiziert.“ Bei Frauen im gebärfähigen Alter sind sie ebenfalls kontraindiziert, solange nicht alle Bedingungen eines Schwangerschaftsverhütungsprogramms erfüllt sind — zuverlässige Verhütung, monatliche Kontrollen einschließlich Schwangerschaftstest sowie Beschränkungen bei Verordnung und Abgabe. Darüber klärt die verordnende Praxis auf. Dosierungen nennt dieser Beitrag nicht.
Zur begleitenden Pflege: „Für die Hautpflege werden leichte Öl-in-Wasser-Emulsionen (Lotionen) oder feuchtigkeitsspeichernde Gele (Hydrogele) empfohlen.“ Also leichte, wasserreiche Produkte — keine fettreichen Cremes.
Narben
„Vor allem bei einer schweren Akne können Narben zurückbleiben. Sie können entstehen, wenn eine Wunde abheilt.“
Und der praktisch wichtigste Satz:
„Häufiges Ausdrücken von Mitessern und Pusteln macht es wahrscheinlicher, dass Narben entstehen.“
Daraus folgt: nicht ausdrücken. Und: Wer eine ausgeprägte, entzündliche Akne hat, sollte sie behandeln lassen, solange noch nichts vernarbt ist — Narben lassen sich schwerer beheben als Entzündungen.
Was nicht stimmt
Hygiene. Für die Annahme, mangelnde Hygiene löse Akne aus, gibt es „keine Belege“. Häufiges Waschen und starkes Reiben verbessern nichts — sie reizen die Haut zusätzlich.
Ernährung. Studien „zeigen jedoch meist keinen Zusammenhang zwischen einer bestimmten Ernährung und Akne“. Schokolade und fettiges Essen sind nicht der Grund.
Das Bundesministerium für Gesundheit kommt zu demselben Ergebnis und nennt beide Annahmen ausdrücklich „zum Teil fragwürdig“: Für die Behauptung, unzureichende Hygiene könne Akne auslösen oder verstärken, gebe es „keinerlei Belege“; zwischen der Entstehung von Akne und bestimmten Lebensmitteln wie Fleisch, Milchprodukten oder Schokolade sei kein Zusammenhang festgestellt worden.
Wann ärztliche Behandlung sinnvoll ist
Bei entzündlicher Akne mit Knoten, bei Akne, die sich über Monate nicht bessert, bei beginnender Narbenbildung — und immer dann, wenn die Haut seelisch belastet. Akne wirkt sich auf das Selbstbild aus; das ist ein eigener und ausreichender Grund für eine Behandlung.
Die Behandlung braucht Geduld: Bis eine Wirkung sichtbar wird, vergehen in der Regel mehrere Wochen.
Was dieser Beitrag nicht leistet
Er nennt keine Präparate, keine Marken und keine Dosierungen.
Er nennt keine Hausmittel und keine Kosmetikbehandlung als Therapie.
Er behandelt keine Aknenarben. Deren Behandlung ist ein eigenes Thema und gehört in hautärztliche Hände.
Quellen
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Akne, Stand 12. November 2025 — Rolle der Androgene und der Verhornung, Verlauf und Häufigkeit stärkerer Akne, wirksame Wirkstoffe, empfohlene Hautpflege, Narbenbildung und Ausdrücken, fehlende Belege für Hygiene und Ernährung als Ursache
- Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de: Akne: Ursachen, Häufigkeit, Behandlung — Bildung von Androgenen und Verstopfung der Talgdrüse, wirksame Wirkstoffe, Ausdrücken und fetthaltige Pflegeprodukte als verstärkende Faktoren, fehlende Belege für Hygiene und Ernährung als Ursache
- Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM): Rote-Hand-Brief zu oralen Retinoiden (Acitretin, Alitretinoin und Isotretinoin), 2. Mai 2024 — Teratogenität, Kontraindikation in der Schwangerschaft, Bedingungen des Schwangerschaftsverhütungsprogramms
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Hinweise zu Aktualisierungen und Korrekturen
Korrektur: Dieser Beitrag wurde am 8. September 2026 inhaltlich korrigiert.